Drei Tage nach Beginn des Krieges im Südkaukasus hat Georgien am Sonntag eine einseitige Waffenruhe verkündet. Zuvor hatte Russland mit 10 000 Soldaten, hunderten Panzern und Kampfbombern weite Teile der von Georgien abtrünnigen Region Südossetien unter seine Kontrolle gebracht. Die georgischen Einheiten zogen sich aus der südossetischen Hauptstadt Zchinwali in die umliegenden Berge zurück. Im Schwarzen Meer hatten russische Kriegsschiffe zudem mit einer Seeblockade den Druck auf Georgien verstärkt. Russische Kampfflugzeuge bombardierten nach Angaben aus Tiflis mehrere Städte in Georgien.

Der russische Präsident Dmitri Medwedew beklagte "tausende Tote" im Konfliktgebiet. Nach unbestätigten Angaben aus Südossetien starben allein in Zchinwali etwa 2000 Menschen. In den Trümmern der weitgehend zerstörten Stadt harrten tausende Zivilisten aus. In den Straßen lagen Leichen. Die südossetische Führung sprach von einer humanitären Katastrophe. Lebensmittel und Medikamente seien knapp. Der Krieg warf auch einen Schatten auf die Olympischen Spiele in Peking.

Russlands Regierungschef Wladimir Putin, der am Samstag überraschend von Peking nach Nordossetien an die Grenze zur Konfliktregion gereist war, warf den Georgiern nach deren Angriff auf Südossetien "Völkermord" vor. Der russische Präsident Dmitri Medwedew, der auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist, begründete die russischen Militärschläge in einem Telefonat mit US-Präsident George W. Bush mit "barbarischen Handlungen" Georgiens.

Nach georgischen Angaben wurden bis Sonntagabend alle "Militäreinheiten aus dem Konfliktgebiet" abgezogen. Russland bestätigte zwar den Erhalt einer entsprechenden Note aus Tiflis zum Waffenstillstand. Zugleich kritisierte Moskau aber die Fortsetzung von Kampfhandlungen durch georgische Soldaten in der Konfliktregion. Tiflis erklärte sich verhandlungsbereit. "Georgien hat einen Korridor für humanitäre Zwecke geschaffen und ermöglicht es der Bevölkerung sowie den Verletzten, das Konfliktgebiet zu verlassen", teilte das Außenministerium in Tiflis weiter mit.

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Der französische Außenminister und amtierende EU-Ratsvorsitzende Bernard Kouchner wurde noch am Sonntag in Tiflis erwartet. Am Montag wolle er nach Moskau weiterreisen. Zuvor hatten Papst Benedikt XVI. und Bundeskanzlerin Angela Merkel eine sofortige Waffenruhe gefordert.

Das ebenfalls von Georgien abtrünnige Gebiet Abchasien kündigte Unterstützung für Südossetien an und rief das Kriegsrecht aus. Georgiens Präsident Michail Saakaschwili, ein enger Verbündeter der USA, beschuldigte Russland, Georgien zerstören zu wollen. Er erwarte eine Invasion ganz Georgiens, sagte Saakaschwili der "Rhein-Zeitung" (Montag). Saakaschwili hatte bereits am Samstag das Kriegsrecht über sein Land verhängt.