Treffpunkt ist auf einem Parkplatz am Altrhein, abseits der Autobahn, im Südwesten Deutschlands. Bis zur Schweizer Grenze sind es zehn Minuten, Frankreich ist nur einen Steinwurf weit entfernt. "Flussaufwärts bis zur Geröllbank, Abstieg bei markantem Baum am Damm" steht auf der Beschreibung. Das klingt nach einem konspirativen Treffen. Mit meinen quietschgelben Gummistiefeln sehe ich allerdings höchst verdächtig aus. Wasserfestes Schuhzeug ist aber unverzichtbar bei dem, was ich heute vorhabe.

Unterhalb des Damms schimmert der Altrhein durch das Dickicht im Sonnenlicht. An der Abstiegsstelle geht es steil und steinig hinunter in die Rheinauen. Der Lärm der in der Nähe vorbeiführenden A 5 verliert sich im Gestrüpp. Vor mir öffnet sich ein von mannshohen Brennnesseln gesäumter, fußbreiter Pfad. Auf sandigem Boden führt er zum Ufer: Üppige Bäume, die dschungelartig miteinander verwoben sind, Sandbänke, hohes Gras. So stelle ich mir den idealen Drehort für eine Low-Budget-Produktion der Schatzinsel vor.

Stichwort Schatzinsel: Hier soll sie sich befinden. Nicht direkt eine Insel, aber die wertvollste Geröllbank des Rheins zwischen Waldshut und Mainz. Weil sie nämlich Gold enthält. Deshalb reisen aus ganz Deutschland Hobby-Goldwäscher an den Rhein ins badische Istein. Manche der heutigen Teilnehmer haben für den Goldwaschkurs eine lange Anfahrt auf sich genommen, eine Juristin mit ihren Kindern kam extra aus Brüssel.

Einer der emsigsten Goldwäscher ist Franz-Josef Andorf. Sein Markenzeichen sind gelbes T-Shirt, schwarze Weste und goldgelbe Gummistiefel. Seit 40 Jahren wäscht der 53-Jährige Gold aus dem Rhein. Als 13-Jähriger las er einen Bericht über die Rheingoldwäscher aus dem vorigen Jahrhundert. Danach schnappte er sich eine Bratpfanne aus der elterlichen Küche und radelte zum Fluss. Tatsächlich glitzerte es golden in seiner Pfanne. Seither ist Andorf dem Rausch des Goldes erlegen.

An Wochenenden weiht der passionierte Goldwäscher Interessierte in die Kunst des richtigen Pfannenschwenkens ein. Goldsuche ist ein beliebtes Freizeitvergnügen, Anfragen kommen aus ganz Deutschland, aus allen Alters- und Bevölkerungsschichten. Deshalb fährt Andorf mehrere Male in der Woche vom seinem Wohnort im Schwarzwald ins Markgräflerland.

Der Mythos Gold macht vor keinem halt. Auch vor mir nicht. Nuggets, groß wie Kieselsteine, will ich dem Rhein entreißen. Bevor es an die Pfannen geht, erklärt der Goldwäscher die wichtigste Regel: Geduld. "Goldwaschen ist wie Meditation. Nur mir Ruhe kommt man ans Ziel." Geduld? Nicht grade das, was ich als eine meiner Tugenden bezeichnen würde. Deswegen klappt das mit dem Meditieren bei mir auch nie. Wir waten ins knietiefe Wasser, in dem aufgeregt Hunderte kleiner Fischchen schwimmen.