ZEIT ONLINE: Ein schwarzer Tag für die deutschen Schwimmer, die hohe Niederlage im Handball, Yvonne Bönisch, die deutsche Judo-Hoffnung, ist schon wieder ausgeschieden. Auch die siebenfache Sportschützen-Weltmeisterin Sonja Pfeilschifter hat uns diesmal nicht begeistert. Warum sind die Deutschen so schlecht gestartet, Frau Henkel?

Heike Henkel: Die Deutschen sollten ihre hohen Erwartungen runterschrauben. Immer mehr Länder und Sportler nehmen an den Olympischen Spielen teil. Viele Verbände haben ihre nationale Sportförderung inzwischen professionalisiert und den Anschluss gefunden. Klar, dass es da für die Deutschen immer schwieriger wird. Im Grunde waren die Leistungen der einzelnen Deutschen doch absolut in Ordnung. Antje Buschschulte hat ihre persönliche Bestzeit geschwommen. Die anderen Namen, die Sie genannt haben – nun gut, so etwas passiert halt.

ZEIT ONLINE: Sie bleiben optimistisch?

Henkel: Ich hoffe, dass der Knoten noch platzt. Die starken deutschen Disziplinen, Fechten oder Reiten, die kommen ja noch. Es ist zu früh, ein festes Urteil über den Stand des deutschen Sports abzugeben. Ich habe noch Geduld und drücke die Daumen. Erfreulich sind doch schon einmal die beiden Medaillen im Synchron-Springen. Damit haben wir nicht unbedingt gerechnet. Die hätten wir vielleicht gar nicht so wahrgenommen, hätten wir schon ein Dutzend anderer Medaillen.

ZEIT ONLINE: Wirkt sich so ein verpatztes Auftaktwochenende psychologisch nicht negativ auf die anderen deutschen Sportler aus?

Henkel: Andersherum stimmt es schon eher: Viele Goldmedaillen am Anfang putschen natürlich die Stimmung im olympischen Dorf. Ich hoffe, die deutschen Athleten lassen sich davon nicht negativ beeinflussen. Mein Eindruck ist, dass seit der Eröffnungsfeier eine große Euphorie im deutschen Lager vorherrscht. Dirk Nowitzki hat als Fahnenträger so viel Stolz und Freude ausgestrahlt. Das ist nicht nur bei mir prima angekommen, das wirkt auch auf die anderen Athleten.

Die Fragen stellte Michael Schlieben.

Täglich beantworten hier Heike Henkel, Marc Huster und Jan Frodeno aktuelle Fragen zu den Olympischen Spielen