ZEIT ONLINE: Frau Kempe, Sie halten sich gerade in einem Hotel in Eriwan, der Hauptstadt Armeniens, auf. Wann haben Sie Tiflis verlassen?

Iris Kempe: Gestern um acht Uhr in der Früh wurden einige Ausländer und ich evakuiert.

ZEIT ONLINE: Was waren Ihre letzten Eindrücke aus der Stadt?

Kempe: Am Morgen erwachte ich um halb sechs. Ich hörte laute Geräusche und hielt es für den Lärm einer Baustelle. Erst später wurde mir klar, dass die russische Armee den internationalen Flughafen rund 20 Kilometer vor der Stadt bombardierte. Später erzählten mir Mitarbeiter, dass die russische Armee auch andere Ziele rund um Tiflis bombardiert hat.

ZEIT ONLINE: Wie war die Stimmung kurz vor Ihrer Abreise?

Kempe: Gedrückt. Frauen weinten um ihre Söhne, die zum Militär eingezogen wurden. Überall sah man Busse mit Rekruten. Viele stellten sich die Frage: Wann hat das alles ein Ende? Die Menschen sind ratlos, weil sie keinen Ausweg sehen. Die Lage ist wirklich sehr ernst.

ZEIT ONLINE: Wird diese Trauer in Wut umschlagen?

Kempe: Gestern Nacht gab es vereinzelte Demonstrationen, aber sie richteten sich nicht gegen den georgischen Präsidenten Saakaschwili.

ZEIT ONLINE: Der wollte am Freitagmorgen die südossetische Bevölkerung mit Gewalt in sein Staatsgebiet zurückholen – wenige Tage später muss er sein Scheitern eingestehen. Wie erklären sie sich diesen Angriff?