Es ist noch nicht ganz zehn Jahre her, da verließ Oskar Lafontaine die Staatskanzlei des Saarlandes. Am 27. Oktober 1998 trat er als Ministerpräsident zurück, um noch am selben Tag als Finanzminister der neuen rot-grünen Bundesregierung vereidigt zu werden. Fortan musste er sich nicht mehr mit dem Strukturwandel im Bergbau oder mit einem überschuldeten Landeshaushalt herumschlagen, sondern er konnte endlich die "Gerechtigkeitslücke" im deutschen Steuersystem und die "weltwirtschaftliche Finanzkrise" bekämpfen.

Lafontaine stand auf dem Gipfel seiner Macht. SPD-Vorsitzender war er und Superminister, und die Mehrheit der Deutschen war der Ansicht, dass Gerhard Schröder unter ihm Kanzler geworden sei. Vor allem war er selber davon überzeugt.

Der Rest der Geschichte ist bekannt: Flucht aus dem Amt, Rücktritt als SPD-Chef, Exil an der Saar, Rückkehr und Gründung der neuen Partei Die Linke.

Jetzt plant Oskar Lafontaine scheinbar seine Rückkehr ins Saarland. Mit viel Tamtam und viel Elan inszeniert er seine vorgeblich wiederentdeckte Liebe zur Landespolitik. An diesem Samstag wird ihn ein Landesparteitag der Linkspartei zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im kommenden Jahr küren.

Lafontaines Aussichten scheinen bestens. Der gebürtige Saarländer hat in dem kleinsten Flächenland fast sein ganzes politisches Leben verbracht. Er war neun Jahre Oberbürgermeister von Saarbrücken und danach dreizehn Jahre Ministerpräsident. Er ist unter den etwa eine Million Saarländern immer noch beliebt und hat in der SPD immer noch viele Freunde und Anhänger.

Als Wahlziel hat die Saarlinke mit ihrem Gallionsmann denn auch ein Ergebnis von "20+X" ausgegeben. Vor allem aber möchte sie besser abschneiden als die SPD. Ausgeschlossen ist beides nicht. Schon bei der Bundestagswahl 2005 erzielte die Linke im Saarland mit 18,6 Prozent ihr bestes Ergebnis im Westen, und im Frühjahr sah eine Forsa-Umfrage die Linke zeitweise bei 29 Prozent – 13 Punkte vor der SPD.