Natürlich war das kein normaler Waldspaziergang, zum dem sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Friedrich Merz und der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle am Samstag im Sauerland getroffen haben. Keine "unschuldige Veranstaltung", wie der Liberale Westerwelle anschließend versicherte, und auch kein Ausflug von ehemaligen Studienfreunden, wie der Christdemokrat Merz betonte. Hätten Merz und Westerwelle einfach mal miteinander reden wollen, sie hätten im dünnbesiedelten und waldreichen Sauerland genügend einsame Wege gefunden für ein offenes Gespräch unter Männerfreunden.

Doch wenn zwei Medienprofis wie Merz und Westerwelle alle Journalisten informieren und auch noch ein paar Dutzend Anhänger dazu laden, dann haben sie vor allem eins im Sinn: Sie wollen Schlagzeilen produzieren und Spekulationen nähren. Zumal in einem Monat das nächste Tête-à-Tête ansteht. Dann wird Merz bei einer Klausurtagung der FDP-Bundestagsfraktion als Gast sprechen.

Das Kalkül ist aufgegangen. Das Sommerloch tut sein Übriges. Seit Tagen spekulieren Journalisten über die Frage, ob der ehemalige Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion und Wirtschaftsexperte Merz die Partei wechselt und seine politische Karriere bei den Liberalen fortsetzt. Guido Westerwelle kokettiert mit den Gerüchten und erklärt süffisant, die FDP habe keinen Aufnahmestopp verhängt. Friedrich Merz lässt es sich gefallen.

Zweifelsohne ist dieser ein großes politisches Talent sowie ein begnadeter Redner. Aber er ist ein politisches Talent, das sich von seiner Partei entfremdet und sich ins politische Abseits manövriert hat. Die CDU, die heute in einer Großen Koalition regiert, ist nicht mehr jene CDU, dessen Bundestagsfraktion Friedrich Merz von 2000 bis 2002 vorstand. Nicht mehr jene CDU, deren Politik er mit seinem Bierdeckel-Steuerkonzept und einer Leitkultur-Debatte prägte.

Merz fühlt sich in der Bundestagsfraktion und in der Großen Koalition nicht mehr wohl, er hat sich beruflich als Wirtschaftsanwalt neu orientiert, die Liste seiner lukrativen Mandate ist lang, und deshalb hat er bereits vor einem Jahr angekündigt, er wolle 2009 nicht wieder für den Bundestag kandidieren.