Wenn sie oben auf dem Brett steht, lächelt sie in sich hinein wie eine Madonna von Giorgione. Und mit dieser Gelassenheit und mit Spaß am Wettkampf hat Ditte Kotzian auch ihre Partnerin Heike Fischer mitgezogen zu ihrer beider ersten olympischen Medaille – und zur ersten Medaille für das deutsche Olympiateam überhaupt.

Olympische Spiele sind ja die Momente, wo Randsportarten plötzlich weltberühmt werden. Das Synchronspringen der Damen vom Dreimeterbrett ist so ein Wettkampf. Alle vier Jahre treten diese grazilen Damen ins Rampenlicht und müssen statt vor ein paar hundert vor 17.000 Zuschauern ihre Körper kunstvoll Richtung Wasser schrauben. Und dann ist es auch Zeit für ein bisschen Volkshochschule, denn wer weiß schon, dass von den insgesamt fünf Sprüngen zwei Pflicht sind und drei Kür? Dass Anlaufsprünge riskanter sind als solche aus dem Stand? Dass die Springerinnen schon gleich nach dem Eintauchen sehen können, ob ihr Sprung was getaugt hat? "Man sieht ja die Spritzer unter Wasser", sagt Heike Fischer als glücklich lächelnde VHS-Lehrerin zu uns Reportern. Sehr nervös sei sie gewesen und spät eingeschlafen, aber auf dem Brett war davon nichts zu merken – dank Dittes Lächeln.

"Ich muss immer mit einem Lachen springen", sagt die 29-Jährige. Kontinuierlich haben sie sich im Wettkampf nach vorne gearbeitet, von Platz fünf auf einen zunächst mit den Amerikanerinnen geteilten dritten Platz. Der letzte Sprung musste dann entscheiden – Bronze oder nix; die führenden Chinesinnen und die zweitplatzierten Russinnen waren da schon außer Reichweite. Doch das wussten die Deutschen alles gar nicht, denn auf die Anzeigetafel haben sie gar nicht so genau geschaut. "Ich wusste, wir machen einen tollen Wettkampf", sagt Kotzian, "aber wie gut, wussten wir erst nach dem letzten Sprung der Amerikanerinnen." Spannend hätten sie’s gemacht, "damit die Sportart populärer wird", sagt Kotzian. Und lacht.

Von dieser Lockerheit sollten sich die übrigen deutschen Wasserkünstler eine Scheibe abschneiden. Die vier Schwimmerinnen der deutschen 100-Meter-Freistilstaffel sahen nach ihrem Finale so aus, als hätten sie Hund auf Toast essen müssen. Platz fünf haben sie erreicht, eigentlich nicht schlechter als erwartet, und doch war insbesondere Britta Steffen nur noch ein Schatten ihrer selbst. Um die deutsche Staffel bei diesem Turbo-Wettkampf überhaupt im Rennen zu halten, war sie ausnahmsweise als erste gestartet und schwamm für sie mäßige 53,38 Sekunden.

Damit schlug sie zwar als erste an, aber der Vorsprung war zu gering, um von den folgenden drei verteidigt werden zu können. "Völlig leer" sei sie nun, viel erwarten könne man von ihr jetzt auch nicht mehr, und Fragen wolle sie nicht mehr beantworten, das koste zuviel Kraft – aus der selbstbewussten Britta, die gerade noch Europarekord geschwommen war, ist im olympischen Regenwetter plötzlich wieder der Psycho, der Gehirnprinz (wie sie sich selbst gerne nennt) geworden.