Es ist zwar nur eine Vorrundenangelegenheit, doch das Basketballspiel zwischen China und den USA ist das erste wahre sportliche Großereignis der Spiele. Und zwar nicht als Kalter Krieg reloaded oder als Kampf der alten gegen die kommende Supermacht, sondern als Triumph der globalen Sportunterhaltungsindustrie vor einer Milliarde Zuschauer weltweit. Wie die Kaaba dieser Weltreligion liegt das Wukesong Basketballstadion am westlichen Rand der Pekinger Innenstadt. Im Sturzregen sind die Konturen kaum zu erkennen, aber der Trichter innendrin, in dem die Ränge auf den Platz zulaufen, ist eine perfekte Sportspaßmaschine, in der potenzielle politische Untertöne durch die Beats der Popkultur weggepustet werden.

Bis hoch unter die Decke hocken die Zuschauer und inspizieren zunächst skeptisch, dann begeistert die diversen Wink- und Klatschelemente, die man ihnen mit auf den Weg gegeben hat. Auf dem riesigen Videowürfel über dem Court kann sich das Publikum selbst beim Jubeln zusehen – und jubelt dann natürlich noch doller, von der hämmernden Musik vollends aus seiner üblichen Reserve gelockt. Es gibt akrobatische Showeinlagen auf NBA-Niveau, dazu schießen Einheizer mit Gummi-Katapulten Geschenke in die Menge. Es geht zu wie auf dem Hamburger Fischmarkt kurz nach der Wende, als dort die Bananen zum Anheizen der Konsumlust unters Volk geworfen wurden.

Ein Spiel wie keines zuvor sei das, sagte der amerikanische Coach, und selbst die Jungs um Kobe Bryant und Lebron James spielen nicht jeden Tag vor ihrem Präsidenten, der in seinem üblichen Freizeitlook – blaues Hemd, Ärmel hoch – mitten in der Menge sitzt. Immerhin muss er nicht wie Glenn Close ein paar Reihen vor mir seine Getränke selbst holen. Die Hollywood-Schauspielerin bringt sogar brav ihren Müll raus.

Die Partie beginnt hektisch. Die amerikanischen Spieler sind so selbstbewusst, dass sie ihre Namen in weiß auf ihr weißes Trikot appliziert haben – man muss sie einfach kennen. Ihr Coach deutet das anders: Sie spielen nicht für das, was hinten auf dem Jersey steht, sondern für das, was vorne drauf ist – USA.

Bis zum 29:29 brauchen aber auch die coolen Jungs aus der NBA, um ein Rezept gegen den von den Stromstößen des Publikums angetriebenen chinesischen Funkturm Yao Ming zu finden. Der hat das Spiel gleich mit einem Dreier eröffnet und legt noch weitere nach, während die Amerikaner zunächst nur einen von fünfzehn Versuchen aus der Ferne versenken können – gegen andere Gegner kann so eine Quote tödlich sein.

Doch der chinesische Star ist nach seinem Fußbruch im Frühjahr und dem ganzen vorolympischen Rummel um ihn offenbar noch nicht vollends fit, und bald verlegt er sich auf’s Rumstehen und Platz wegnehmen, was er allerdings perfekt beherrscht. Doch sobald der amerikanische Zug zum Korb Fahrt aufnimmt, geraten die Chinesen in Schwierigkeiten.