Im Olympia-Abstellungszwist zwischen den Bundesligaclubs, dem Fußball-Weltverband FIFA und den nationalen Verbänden droht endgültig die juristische Eskalation. Nachdem die von der unrechtmäßigen Olympia-Teilnahme ihrer Profis betroffenen Vereine auch am Montag noch keine Reaktionen oder positiven Signale der betroffenen Fußball-Verbände erhalten hatten, leiteten sie die nächsten Schritte ein.

Der FC Schalke 04 klagt wegen Rafinha bei der FIFA gegen den brasilianischen Fußball-Verband (CBF). Hertha BSC besteht auf einer sofortigen Rückkehr des Serben Gojko Kacar und droht mit einer Klage vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS. Auch der Hamburger SV will den Belgier Vincent Kompany sofort zurück haben. Werder Bremen verzichtet wegen Diego auf weitere Schritte, behält sich aber eine spätere Klage vor.

Schalke hat nach dem Gezerre dagegen die Nase voll und reichte Klage bei der FIFA ein. "Es handelt sich um eine Unterlassungsklage, durch die die Brasilianer verpflichtet werden sollen, Rafinha nicht mehr bei Olympia einzusetzen", erklärte Schalke-Manager Andreas Müller. "Wir haben eigentlich gehofft, dass wir diese unselige Geschichte ohne weitere Klagen zu Ende bringen können. Leider gibt uns die CBF durch ihr Verhalten keine andere Möglichkeit." Bis Montag hatte man noch keine CBF-Reaktion auf die verschiedenen Schreiben und gestellten Forderungen wie Abstellungsgebühr oder Versicherung des Profis erhalten. Rafinha bestritt am Sonntag gegen Neuseeland (5:0) sein zweites Spiel und steht mit der "Selecao" im Viertelfinale.

Werder-Manager Klaus Allofs entschied sich am Montagabend zunächst gegen ein gleiches Vorgehen wie Schalke, will weitere Schritte aber nicht ausschließen. "Wir schließen uns der Klage nicht an. Es kann sein, dass wir das zu einem späteren Zeitpunkt tun werden", sagte Allofs der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Uns lag in erster Linie die Versicherungsfrage am Herzen, die bei einer möglichen Verletzung von Diego entsteht. Diese Frage ist für uns durch Vermittlung des Deutschen Fußball-Bundes geklärt", sagte Allofs. Nähere Angaben wollte er dazu nicht machen.

Die übrigen Clubs zeigten sich davon jedoch unbeirrt. Wenn die FIFA die Brasilianer nicht zum Einlenken bewegt, geht es in die nächste Runde. "Dann gehen wir wieder vor den CAS. Wir stehen in dieser Sache wie eine Eins. So kann man nicht mit uns umgehen", betonte Müller, der zudem "Schadensersatzforderungen gegen sämtliche Beteiligten" erwägt. Der CBF reagierte nach eigener Darstellung "irritiert" über das Vorgehen des Clubs. "Von Schalke hat der CBF überhaupt nichts erhalten", erklärte der CBF-Pressesprecher Rodrigo Paiva. Im Gegensatz zur Darstellung Schalkes sei es Rafinha "vom Verein erlaubt, hier zu sein und deshalb hat er ja auch schon gespielt."

Die Clubs haben jedoch die Möglichkeit zur Forderung nach Schadensersatz, seit Schalke gemeinsam mit Werder und dem FC Barcelona vor dem CAS gegen die FIFA im Streit um die Olympia- Abstellungspflicht in der vergangenen Woche gewonnen hatte. Der CAS hatte entschieden, dass die Vereine auch Spieler unter 23 Jahren nicht für Olympia freigeben müssen. Dies sei in den FIFA-Statuten nicht verankert, und ein Gewohnheitsrecht lasse sich nicht ableiten, zumal das olympische Turnier kein Bestandteil des internationalen Fußball-Terminkalenders ist.