Wie die russische Agentur Interfax meldet, habe Saakaschwili das von Moskau geforderte Papier in Anwesenheit von Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner unterschrieben. Kouchner, der die EU-Ratspräsidentschaft vertritt, hatte sich mit Georgiens Präsident in Tiflis getroffen. Er schlägt eine Feuerpause aller Seiten sowie den Abzug jeglicher Truppen aus dem Konfliktgebiet unter internationaler Beobachtung und den Beginn politischer Verhandlungen vor.

"Es ist ein Krieg der Bombardements und der Mörsergranaten", so Kouchner. Er verzichtete jedoch darauf, die jüngsten russischen Bombardements zu verurteilen. "Wenn ich verurteile, kann ich mir nicht mehr auf beiden Seiten Gehör verschaffen." Am Nachmittag wird er nach Moskau weiterreisen, wohin ihm Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am Dienstag folgen will. Ob Kouchner den russischen Präsidenten Dmitrij Medwedjew allein oder erst gemeinsam mit Sarkozy trifft, stand noch nicht fest.

Ebenfalls am Dienstag kommen die Nato-Botschafter auf Antrag Georgiens zu einem Sondertreffen in Brüssel zusammen. Nach Angaben von Diplomaten will die georgische Außenministerin Eka Tkeschelaschwili die aus dem Urlaub zurückgerufenen Botschafter der 26 NATO-Staaten und der beiden Beitrittskandidaten Albanien und Kroatien über den Stand der Kampfhandlungen zwischen Russland und Georgien informieren. NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer bekräftigte im Vorfeld seine Befürchtungen über das militärische Vorgehen Russlands. Er sei "weiterhin äußerst besorgt über den unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt und den Mangel an Respekt für die territoriale Integrität Georgiens". Die Einberufung des NATO-Rats durch Georgien ist aufgrund der NATO-"Partnerschaft für den Frieden" möglich, der Georgien seit 1994 angehört.

Der georgische Prösident Saakaschwili warf Russland unterdessen eine seit langem geplante Invasion vor sowie die Behinderung internationaler Hilfslieferungen nach Tiflis. Inzwischen seien 500 russische Panzer und 25.000 russische Soldaten in Georgien. Moskau versuche, die demokratisch gewählte Regierung zu stürzen. Etwa 50 russische Bomber hätten in der Nacht georgische Städte und Dörfer unter Feuer genommen. Was nun geschehe, sei "der schlimmste Alptraum" für sein Land, sagte Saakaschwili. Zehntausende Georgier seien inzwischen auf der Flucht.

Auch auf dem internationalen Parkett stößt das Vorgehen Russlands in den abtrünnigen Provinzen auf Ablehnung. Insbesondere US-Präsident George W. Bush fand scharfe Worte und kritisierte die russische Militäraktion gegen Georgien als "unverhältnismäßige Reaktion". In einem Gespräch mit dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin habe er zudem seine große Sorge angesichts des russischen Vorgehens geäußert, sagte er in einem Interview des US-Fernsehsenders NBC Sports .

Er habe deutlich gemacht, dass "diese Gewalt inakzeptabel ist", und gefordert, dass alle Truppen auf den Stand vor dem 6. August zurückgezogen würden. Ähnlich habe er sich in einem Telefongespräch mit Präsident Dmitrij Medwedjew geäußert, so Bush weiter.  Sowohl im Gespräch mit Putin als auch mit Medwedjew habe er eine "sehr entschiedene" Position vertreten.

US-Vizepräsident Dick Cheney hat Georgiens Staatschef Micheil Saakaschwili die Solidarität der USA zugesichert. In einem Telefongespräch mit Saakaschwili habe er gesagt, "die russische Aggression darf nicht unbeantwortet bleiben". Sollte sie fortgesetzt werden, würde das ernste Folgen für die Beziehungen zwischen Russland und den USA, aber auch zur internationalen Gemeinschaft haben.

Der stellvertretende Nationale US-Sicherheitsberater James Jeffrey wollte einem Bericht der Washington Post zufolge nicht ausschließen, dass die USA Georgien auch militärisch zu Hilfe kommen. Dies stehe derzeit aber nicht im Zentrum der amerikanischen Bemühungen. "Im Moment konzentrieren wir uns darauf, mit beiden Konfliktparteien, mit den Europäern und einer ganzen Reihe von internationalen Organisationen und Institutionen zusammenzuarbeiten, um die Kämpfe zu stoppen", sagte Jeffrey weiter.