Als Isaac Hayes im August 1972 die Bühne des Wattstax-Musikfestivals betritt, versagt Reverend Jesse Jackson die Stimme. Zuvor hat Jackson den Sänger triumphal angekündigt, aber vor diesem Anblick kapituliert selbst der wortgewaltige Bürgerrechtler. Isaac Hayes hat soeben seinen Umhang abgeworfen: Darunter trägt er ein kunstvolles Geflecht aus goldenen Ketten auf dem nackten Oberkörper. Auf der Videoleinwand des Stadions erscheint immer wieder ein Name: Black Moses. Es ist das Pseudonym, unter dem Isaac Hayes in den siebziger Jahren berühmt wird. Sein Auftritt wird zum wichtigen Symbol der schwarzen Bürgerrechtsbewegung. Die Ketten, die er trägt, sind auch die Ketten der Sklaverei. Auf dem Körper des schwarzen Superstars sind sie zu einem Schmuckstück geworden.

Dabei hat Isaac Hayes die Auswirkungen der Sklaverei noch ganz unmittelbar erfahren. In ärmlichen Verhältnissen in Covington, Tennessee, geboren, arbeitet er zunächst als Baumwollpflücker, bevor er als Studiomusiker bei der Plattenfirma Stax Records in Memphis anheuert. Er spielt Klavier und Saxofon für Otis Redding und die Mar-Keys, doch seine eigentliche Stärke ist das Songschreiben. Gemeinsam mit David Porter komponiert Hayes mehr als 200 Lieder für andere Stax-Künstler wie Sam & Dave, Johnnie Taylor und Carla Thomas. Hits wie Soul Man, Hold On, I’m Coming und B-A-B-Y definieren den Sound aus Memphis.

Als Solist gelingt Isaac Hayes 1969 der Durchbruch: Sein Album Hot Buttered Soul gilt heute als Meilenstein des Soul. Die Platte enthält nur vier Stücke, sie alle brechen mit dem radiofreundlichen Drei-Minuten-Format. Hayes verwandelt Lieder wie Burt Bacharachs’ Walk On By in orchestrale Suiten, durchsetzt von langen Funk- und Bluesimprovisationen.

Ein dramaturgischer Geniestreich gelingt ihm mit dem Stück By The Time I Get To Phoenix: Minutenlang spricht Hayes über einem tiefen Orgelakkord von seiner verflossenen Liebe, bevor das Lied zum eigentlichen Thema anhebt. Der Popstandard wird zur 18-minütigen Gospelklage. Kaum je klang Liebeskummer so sinnlich. Es war zugleich die gelungene Verwandlung vom Studiomusiker zum Superstar. Auf der Plattenhülle zu Hot Buttered Soul präsentiert sich Isaac Hayes mit glatt rasiertem Kopf, Sonnenbrille und überdimensionalem Goldschmuck. Dieser Auftritt soll sein Image als supercooler Daddy des Soul in den nächsten Jahren bestimmen.

Für seinen Detektivfilm Shaft (1971) sucht der Regisseur Gordon Parks eine treibende, wilde Titelmusik. Hayes gibt seiner Band einige Anweisungen und überlässt dem Gitarristen Charles Pitts den Rest. Das Theme from Shaft wird zu einer der berühmtesten Filmmusiken, der Privatdetektiv John Shaft zum ersten schwarzen Superhelden des Kinos: "Who’s a black private dick? Who’s a sex machine to all the chicks? Shaft!"