Zeitungen berichten vermehrt über verwahrloste Kinder, und im Fernsehen muss die Supernanny prügelnde Pennäler zügeln. Familien stehen in den Medien schlecht da, finden fast zwei Drittel der befragten Eltern. 65 Prozent ärgern sich über ein schiefes Bild in der Öffentlichkeit. "Viele sehen sich unter Generalverdacht", sagt Anke Willers, Redakteurin der Zeitschrift Eltern . Die Zeitschrift hat in einer Umfrage die Stimmung unter deutschen Eltern ergründen lassen.

"Wir hatten das Gefühl, dass viel über Familie und Kindeswohl diskutiert wird", so Willers, "aber nicht darüber, wie es den Müttern und Vätern geht." Um das herauszufinden, hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa 1014 Eltern mit Kindern unter elf Jahren angerufen. Die Ergebnisse hat die Eltern -Zeitschrift an diesem Montag online gestellt.

Kann man in Deutschland gut mit Kindern leben? Mehr als ein Drittel der Eltern finden, "eher nicht" oder sogar "auf keinen Fall". Als Grund seien vor allem finanzielle Probleme angegeben worden, so Willers. 77 Prozent glaubten, dass Familien heute in Deutschland draufzahlen müssen. "Viele Eltern haben das Gefühl, einen tollen Job zu machen, der nicht honoriert wird", sagt die Redakteurin. Die Befragten bemängelten zu hohe Lebenshaltungskosten und zu wenig Entlastung vom Staat. Für 57 Prozent sind Kinder in Deutschland ein Armutsrisiko.

60 Prozent der Befragten haben Angst, dass es ihren Kindern später finanziell schlechter gehen wird als ihnen heute. "Das sagen sogar sehr häufig junge Eltern, die in ganz anderen, unsicheren Arbeitsverhältnissen stecken", sagt Willers.

Stichwort Arbeit: Soll der Vater die Brötchen verdienen, während die Mutter sich um die Kinder kümmert? "Interessant ist, dass 62 Prozent es am besten finden, wenn beide beides machen, aber nur 29 Prozent diese Vorstellung auch leben", so Willers. Gleichzeitig seien die Befragten aber mit dieser Situation zufrieden.

Dahinter stecke Pragmatismus, erklärt die Redakteurin: "Die sagen sich, dass es eben nicht anders geht." So würden laut der Studie 60 Prozent der Väter gern mehr Zeit mit den Kindern verbringen, glauben aber, dass das Verständnis in der Arbeitswelt fehle. 44 Prozent der Frauen würden dagegen gern mehr arbeiten, vermissen aber passende Betreuungsangebote.