Xu Huaiwen hat sich für diese Olympischen Spielen viel vorgenommen. "Ich will allen beweisen, wie gut ich Badminton spielen kann", sagt sie. Allen, aber wohl vor allem ihren ehemaligen Trainern im Leistungszentrum von Peking, die ihr vor vielen Jahren zu verstehen gaben, dass sie nicht mehr infrage kommt für das größte Ereignis, das es für einen Sportler geben kann, die Olympischen Spiele. "Du bist zu klein, haben sie mir gesagt. Ich kann hart trainieren, aber ich kann nicht so schnell wachsen." Mittlerweile spielt sie in einem anderen Land, das ihr trotz ihrer nur 1,60 Meter eine Chance gegeben hat, sich ihren Traum zu erfüllen. Sie gehört inzwischen zur deutschen Olympiamannschaft.

Als sie in China keine Chance mehr bekam, schickte Xu Huaiwen Briefe ab. Nach Europa, in die USA. "Ich wollte einfach nur weg. Ich hatte die Nase voll." Ob es nicht einen Platz für sie in einer Mannschaft gebe, fragte sie in den Briefen. Sie bekam eine Antwort, aus Friedrichshafen. So kam Xu Huaiwen vor sieben Jahren nach Deutschland.

Seit 2003 lebt und trainiert die 32-Jährige nun in Saarbrücken. Dort hat sie sich so sehr verbessert, dass sie bei Olympia weit kommen kann. Zweimal wurde sie bei Weltmeisterschaften Dritte und in diesem Jahr sogar Europameisterin. Gewachsen ist sie auch in Saarbrücken nicht mehr, dafür hat sich etwas anderes verändert. "Ich bin mental stärker geworden", sagt sie.

In der Tat: Als erste Sportlerin in der Olympia-Geschichte erreichte Xu Huaiwen am Montag für Deutschland das Viertelfinale. Mit 21:10 und 21:7 deklassierte sie die völlig überforderte Engländerin Tracey Hallam.

Zu ihren früheren chinesischen Teamkolleginnen hat Huaiwen Xu bisher jeglichen Kontakt vermieden. "Ich habe auch meine E-Mails nicht gecheckt und konzentriere mich nur auf den Sport", sagt sie. In der Runde der letzten Acht wartet nun am Mittwoch Chinas Weltranglisten-Erste Xie Xingfang. Gegen die hochgewachsene Xie hat Xu noch nie gewonnen. "Sie macht mit ihrer großen Reichweite viel Druck, aber ich bin sehr flexibel. Wenn ich eine Medaille gewinnen will, muss ich eine Chinesin schlagen", sagt die deutsche Meisterin.

Zu ihren früheren Mannschaftskameraden habe sie dennoch ein gutes Verhältnis, sagt Xu. "Wir verstehen uns immer noch gut. Manche waren zwar am Anfang beleidigt, aber sie haben auch nicht mitbekommen, dass man mir keine Chance gegeben hat", sagt sie.