Mein Arbeitgeber verlangt plötzlich von mir, dass ich auflisten soll, was ich alles an einem Arbeitstag schaffe. Muss ich das machen?

fragt Uwe Schlack

Lieber Herr Schlack,

da ich Ihren konkreten Fall nicht kenne, kann ich nur Vermutungen anstellen. Arbeitgeber setzen gerne unliebsame Arbeitnehmer unter Druck, indem sie plötzlich – wie in Ihrem Fall – genaue Arbeitsnachweise einfordern. Das passiert immer wieder. Derzeit beschäftigen wir uns zum Beispiel mit einem Fall aus der Pharmabranche, in dem sogar schon vorschnell verkündet wurde, der Mitarbeiter werde das Unternehmen verlassen. 

Sie sollen auf einmal genau über Inhalt und Dauer ihrer Tätigkeit Buch führen. Wenn dies so bisher nicht praktiziert wurde und auch Ihr Arbeitsvertrag keine Nachweispflicht erwähnt, zeigt Ihr Arbeitgeber jetzt ganz offensichtlich, wer Herr im Hause ist. Gut sind Arbeitnehmer beraten, die in solchen Fällen sogleich den Betriebsrat informieren können. Der kann parallel aktiv werden.

Keinesfalls sollten Sie die verlangten Arbeitsnachweise verweigern, denn grundsätzlich besteht eine Nachweispflicht Ihrerseits. Sie stellt eine sogenannte arbeitsvertraglich geschuldete Nebenpflicht dar. Das Bundesarbeitsgericht hat erst kürzlich wieder einmal klargestellt, dass ein Arbeitnehmer auch ohne konkrete arbeitsvertragliche Vereinbarung verpflichtet ist, auf Anweisung des Arbeitgebers über einen gewissen Zeitraum hinweg Aufzeichnungen über Inhalt und Dauer seiner Arbeitsleistungen zu erstellen.

Allerdings kann Ihr Arbeitgeber nicht uneingeschränkt und grundlos Arbeitsnachweise von Ihnen fordern. Er muss ein berechtigtes Interesse an den Aufzeichnungen haben. Das kann zum Beispiel bei Außendienstmitarbeitern so sein. Ihre Tätigkeit kann der Arbeitgeber kaum genau überprüfen – rechtlich gesprochen fehlt seine Kontrollmöglichkeit. Nur mit Hilfe von Nachweisen kann er deshalb die geschuldete Tätigkeit seiner Mitarbeiter nachvollziehen und ihre Leistungen überprüfen.

Auch muss Ihr Arbeitgeber zwischen seinen und Ihren Interessen abwägen. Das bedeutet, dass er seine Weisungen unter Berücksichtigung der betrieblichen Belange einerseits und Ihrer Interessen andererseits erteilen muss. Auch darf er nicht den Zweck der eingeforderten Arbeitsnachweise aus den Augen verlieren.