Die Finanzmärkte haben ungewöhnliche Wochen hinter sich: Heftige Kursbewegungen gab es zuhauf. Trends gelangten an ihren Wendepunkt, obwohl vieles für ihre Fortsetzung gesprochen hätte. Die Börse zeigte sich launisch wie das Wetter im April, und die Erklärungen dafür wechselten so häufig, dass sie beinahe beliebig schienen.

Das schlug sich auch im Börs-o-Meter nieder. Zur Verwunderung einiger Leser, die die wechselnden Argumente für beliebig hielten. Mal war eine gute Konjunktur positiv für den Euro, dann war ein starker Euro negativ für die Euroland-Konjunktur – ja was denn nun? Das Problem ist: Es ist nicht immer gleich. Die Wirkungen können wechseln.

Die Finanzmärkte sind ein komplexes System. Eine Vielzahl von Faktoren nimmt auf ihre Entwicklung Einfluss, zum Beispiel Konjunkturindikatoren, Inflationsdaten, Entscheidungen der Notenbanken, der Fiskalpolitik oder neue Unternehmensdaten. Um dem Ganzen den letzten Funken an Einfachheit zu nehmen, wirken diese Faktoren nicht in einem abgeschotteten Land, sondern international. Zudem beeinflussen sich die einzelnen Unternehmen und Märkte gegenseitig.

Zwei aktuelle Beispiele: Ob die US-Konsumenten gut oder schlecht gestimmt sind, wirkt sich auch auf die europäischen Aktienmärkte aus. Zugleich beeinflusst der Rohölpreis die Kurse der internationalen Automobilaktien. Nur gibt es hier nicht unbedingt immer einen negativen Zusammenhang.

Natürlich ist ein sehr stark steigender Ölpreis nicht der beste Freund der Automobilindustrie. Aber nicht alle Unternehmen leiden im gleichen Ausmaß unter ihm. Autoriesen, die vor allem Spritfresser im Programm haben, trifft sein Anstieg besonders stark. Zugleich eröffnet das teure Öl jenen Gesellschaften Chancen, die zuvor in spritsparende Technologien investiert haben. Je nachdem, welcher Faktor nun gerade die größere Bedeutung bekommt, kann ein steigender Ölpreis an der Börse mal positiv, ein anderes Mal aber auch negativ auf die Autoaktien wirken.