Sport muss sauber sein! So singen es die Volksmassen nun schon zu jedem Großereignis. Sei’s die Tour de France oder Olympia: Doping zerstört ein Ideal. Und sobald ein Athlet  den Medikamenten mehr als dem eigenen Körper vertraut, geht nicht nur er, sondern gleich die ganze Idee des Sports zuschanden.

Diese Vorstellung vom sauberen Sport folgt einem höchst sentimentalen Ethos. Das empörte Volk suhlt sich in einem romantischen Körperideal, das im Einklang lebt mit der Natur – und den Grenzen, die eben diese Natur dem Menschen aufzeigt. Die Athleten haben diesen Umstand in Demut zu akzeptieren. Nur auf ihrem Talent, dem Eifer, der reinen Härte darf die erwartete Leistung bauen. Greifen sie jedoch zu verbotenen Substanzen, behandeln wir sie wie ein mit Aussatz befallener Ritter. Der war vielleicht mal Volksheld. Doch jetzt ist er Verräter.

Nun berufen sich die Apostel der Sauberkeit schon hier auf eine Gleichheit, die es gar nicht gibt. Athleten sind per se ungleich. Ihre Körper, ihre Ausstattung und ihre Trainingsbedingungen variieren je nach Herkunftsland. Doch auch das, immerhin, kann man offenbar als akzeptable, weil natürliche Ungleichheit erachten - im Gegensatz zur künstlichen Leistungsoptimierung durch Doping, die den Wettkampf verzerrt

Eine Unschärfe? Nein, es ist die pure Scheinheiligkeit! Denn jenseits des Sports, inmitten unserer Gesellschaft,  hat die Künstlichkeit die Natur doch längst überflügelt. Wir nehmen Pillen, um unseren Alltag zu überstehen oder zu ertragen, gehen ins Fitnessstudio, putschen uns auf, und leben länger, als der Natur lieb ist. Das ist dem medizinischen Fortschritt geschuldet. Wir optimieren tagtäglich unsere Leistung. Wir sind gedopt, und das ist vollkommen akzeptiert.

Nun verlangen Sportansager mit sonnengegerbter Haut und gebleichten Zähnen Sperren für gedopte Athleten und schwarzmalen den Untergang des Sports. Indes fordert von ihnen niemand, Zahnstand, wahre Körbchengröße, Adipositas und fettende Mischhaut demütig hinzunehmen – ansonsten würden sie gesperrt. Und mal ehrlich: Wie albern wäre das?

Aber im Sport gelten andere Gesetze, rufen da Kritiker. Man dürfe schließlich die Gesundheit nicht vergessen. Als ob Leistungssport dem verpflichtet sei! Bodenturner bekommen Bandscheibenschäden, Geher kaputte Hüften, Eiskunstläufer morsche Knie, Marathonläufer Herzprobleme. Viele Leistungssportlerinnen leiden an hormonellen Störungen, nicht bloß wegen des Dopings.