Die russischen Streitkräfte haben am Montag nach eigenen Angaben mit dem Abzug ihrer Truppen aus dem Konfliktgebiet im Nachbarland Georgien begonnen. Das teilte der stellvertretende Generalstabschef Anatoli Nogowizyn bei einer Pressekonferenz in Moskau mit. Zuvor hatte die staatliche Nachrichtenagentur RIA Nowosti berichtet, ein erster Militärkonvoi sei von der südossetischen Hauptstadt Zchinwali in Richtung Wladikawkas in der russischen Teilrepublik Nordossetien aufgebrochen.

Die Meldungen aus dem Konfliktgebiet sind jedoch widersprüchlich. Wie die New York Times unter Berufung auf US-Geheimdienstberichte auf ihrer Website meldet, hat Russland nördlich der südossetischen Hauptstadt Zchinwali Raketenwerfer stationiert, deren Geschosse Tiflis erreichen könnten. Außerdem würden weitere Truppen in die Region verlegt. Ein russisches Bataillon sei von Pskow nach Beslan in Nordossetien verlegt worden. In der Region Kostroma bereiteten sich mehrere weitere Garnisonen auf eine Verlegung in den Kaukasus vor, berichtete die Zeitung weiter. Außerdem sollen russische Kriegsflugzeuge Trainingsflüge über dem Schwarzen Meer absolviert haben.

Trotz der Einigung auf eine Waffenruhe halten die russischen Truppen ihre Stellungen im georgischen Kernland weiter besetzt. Auf der Straße von Gori nach Tiflis parkt eine lange Schlange von russischen Militärfahrzeugen, darunter 25 Panzer und 25 Truppentransporter. Der Konvoi sei bis 30 Kilometer vor Tiflis vorgerückt. Ein russischer Soldat sagte, die Einheiten seien Friedenstruppen und würden bleiben. Die russischen Friedenstruppen sind von der Rückzugsvereinbarung ausgenommen, denn sie waren schon vor Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen Georgien und Russland in Südossetien stationiert gewesen.

Der russische Präsident Dmitrij Medwedjew hatte zuvor angekündigt, er werde am Montag mit dem Truppenabzug beginnen. Ein von der EU vermittelter Sechs-Punkte-Plan sieht neben einer Waffenruhe vor, dass die georgischen Truppen sich in ihre vorherigen Stellungen zurückziehen und die russische Armee hinter die Grenzen "vor Ausbruch der Feindseligkeiten" zurückkehrt.

Seit dem Einrücken vor zehn Tagen haben russische Truppen nicht nur die von Georgien abtrünnige Region Südossetien unter ihre Kontrolle gebracht. Sie sind auch in Städte des georgischen Kerngebiets vorgerückt. Schätzungen zufolge stehen mehr als 10.000 russische Soldaten im georgischen Kernland sowie dem abtrünnigen und von Moskau protegierten georgischen Gebiet Südossetien. Zehntausende Georgier waren vor den Truppen geflohen.

Unterdessen hat der Präsident des von Georgien abtrünnigen Gebiets Südossetien, Eduard Kokojty, den Ausnahmezustand verhängt und seine Regierung entlassen. Die Minister der von Russland protegierten Region hätten die Hilfsgüter nicht schnell genug an die notleidende Bevölkerung verteilt. Das berichtete der russische Radiosender "Echo Moskwy" am Montag unter Berufung auf ein Interview Kokojtys mit dem Fernsehsender "Westi-24".