Eine kurze Nachricht hat am Wochenende viele Sozialdemokraten elektrisiert. Franz Müntefering, der ehemalige Vizekanzler, Arbeitsminister und SPD-Vorsitzende melde sich in der Bundespolitik zurück, hieß es in Presseberichten. Nach der Sommerpause wolle dieser seine Abgeordnetentätigkeit im Bundestag im vollen Umfang wieder aufnehmen. Sofort schossen die Spekulationen ins Kraut. Plant der 68-Jährige nach dem Tod seiner Frau sein politisches Comeback? Wird er sich für die SPD verstärkt im Bundestagswahlkampf engagieren? Oder könnte er sogar zu einer Gefahr für Parteichef Kurt Beck werden?

Niemand weiß etwas Genaues, eine offizielle Stellungnahme gibt es nicht. Einerseits ist die Meldung vom Wochenende eine klassische Nicht-Nachricht. Franz Müntefering war im November vergangenen Jahres als Arbeitsminister und Vizekanzler zurückgetreten, um seiner schwer kranken Frau beizustehen. Aber bereits damals hatte er erklärt, dies sei für ihn kein Abschied aus der Politik. Und so hat er auch sein Bundestagsmandat in den letzten zehn Monaten wahrgenommen, selbst wenn er sich nur selten öffentlich geäußert hat.

Der Grund für die Spekulationen um sein Comeback ist jedoch primär in seiner Partei zu suchen. Die Sehnsucht nach einer starken und charismatischen Führungspersönlichkeit ist in der SPD groß. Die Partei steckt im Stimmungstief, ist tief verunsichert. Ihr fehlen ein strategisches Zentrum und ein klarer Kurs. Der Alleingang der hessischen Genossen, die eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei anstreben, beschert der Partei eine Zerreißprobe. SPD-Chef Kurt Beck ist politisch angeschlagen. Vor allem der rechte Parteiflügel und die Agenda-Anhänger hoffen zudem, dass ihre Position in der Partei gestärkt würde, wenn sich Müntefering wieder lautstärker zu Wort melde.

Franz Müntefering war einer der Väter der rot-grünen Bundesregierung, er gilt als Sozialdemokrat alter Schule und der klaren Worte. Er besitzt viel Erfahrung und strategisches Gespür. Gleichzeitig jedoch ist er ein konsequenter Verteidiger der Agenda 2010 und deshalb innerparteilich umstritten. Vehement kämpfte Müntefering vor seinem Rücktritt gegen die Verlängerung des Arbeitslosengeldes I für ältere Arbeitnehmer und damit gegen die symbolische Abkehr von der Schröder'schen Reform-Politik. Auf dem SPD-Parteitag Ende Oktober in Hamburg verlor er dann den Machtkampf gegen Parteichef Kurt Beck.

Nicht vergessen ist auch, dass Müntefering im Herbst 2005 in Folge einer Intrige des linken Parteiflügels als Parteivorsitzender zurückgetreten war. Müntefering hatte damals die Konsequenz aus einer Abstimmungsniederlage im Parteivorstand über den von ihm vorgeschlagenen Generalsekretär gezogen. Seit jenen Tagen ist klar, dass der ehemalige Parteivorsitzende in der Partei nicht nur eine Menge Freunde, sondern auch viele Gegner hat.