Mit dem Krieg und der Krise im Kaukasus hat das nichts zu tun! Das ist die Lesart, die in Warschau verbreitet und mit der die Entscheidung von Regierungschef Donald Tusk erläutert wird, dem Bau eines Raketenabwehrschildes auf polnischem Boden zuzustimmen. Seit dem Jahr 2005 ist darüber verhandelt worden. Die damalige nationalkonservative Regierung unter Jaroslaw Kaczynski hatte sich praktisch bedingungslos einverstanden erklärt, obwohl das westliche Bündnis tief gespalten war in der Frage.

Nach dem Wahlsieg Tusks stellte Warschau in Washington hohe Bedingungen, vor allem ging es um beträchtliche Dollarbeträge, mit denen die USA zur Modernisierung des polnischen Militärs beitragen sollten. Nicht einen Bruchteil davon wollten die USA aufbringen.

Zudem verlangte Polen eigene neue Abwehrraketen, die sie vor möglichen russischen Angriffen schützen könnten, denn Russland hatte von Anbeginn die Nato, Washington und speziell Polen davor gewarnt, diese Missile-Defense-Idee zu realisieren. In Moskau werde das eindeutig als Akt verstanden, der sich gegen Russland richte, nicht, wie behauptet, gegen "Schurkenstaaten", und der das Land weiter einkreisen solle.

Den nächsten Beweis für Moskau lieferte Washingtons Drängen, Georgien und die Ukraine in die Nato zu holen – auch das in der Nato zutiefst umstritten. Zeitweise erweckte die polnische Regierung sogar den Eindruck, sie wolle das Projekt scheitern lassen, weil sie nicht zu neuem Dissens in Europa beitragen mochte.

Neben zehn Abfangraketen mit Mehrfachsprengköpfen in Polen soll auch auf tschechischem Boden ein dazugehöriges Radarsystem installiert werden. Mit breiter Mehrheit wehrte sich die tschechische Öffentlichkeit dagegen, weil sie nicht zur "Zielscheibe", wie es hieß, atomarer Raketen von "Schurkenstaaten" oder aus Russland werden möchte. Vor wenigen Wochen jedoch stimmte Prags Regierung dem Radarschirm endgültig zu.