Der ehemalige Gewichtheber Marc Huster wurde mehrmals Welt- und Europameister. Bei den Olympischen Spielen 1996 und 2000 gewann er für das deutsche Team Silbermedaillen. 2002 musste er seine Karriere verletzungsbedingt beenden. Für ZEIT ONLINE beantwortet er abwechselnd mit der Olympiasiegerin im Hochsprung, Heike Henkel und dem in Peking teilnehmenden Triathleten Jan Frodeno aktuelle Fragen zu den Olympischen Spielen.

ZEIT ONLINE: Herr Huster, morgen werden die letzten Medaillen im Gewichtheben vergeben. Was haben die Zuschauer verpasst, die sich in der ersten Olympiawoche für die Fabelzeiten der Schwimmer und nicht für die Gewichtheber interessiert haben?

Marc Huster: Es gab einige Weltrekorde. Die Chinesen haben wirklich beeindruckt und viele Medaillen gewonnen.

ZEIT ONLINE: Aus deutscher Sicht war es wenig erfolgreich. Gewichtheben zählt zudem in Deutschland nicht gerade zu den beliebtesten Sportarten. Woran liegt das?

Huster: Schwimmen und Laufen sind einfach leichter zu verstehen und für viele spannender, weil man direkt sieht, wer schneller ist. Unter Hobbysportlern sind Laufen und Schwimmen viel weiter verbreitet als Gewichtheben.

ZEIT ONLINE: Haben Gewichtheber auch ein Imageproblem?

Huster: Sie meinen stark ist gleich doof? Für Einige ist es tatsächlich überraschend, wenn sie mit einem Gewichtheber reden und als Antwort keine Tierlaute zu hören bekommen. Das ist ein Klischee mit denen wir zu kämpfen haben, obwohl noch nicht mal einer von zehn Gewichthebern diesem entspricht. Wir können auch denken.

ZEIT ONLINE: Ein anderes Vorurteil ist, dass viele Gewichtheber dopen.

Huster: Ich verstehe, dass die Zuschauer inzwischen alle Sportler anzweifeln. Wenn ich bei diesen Spiele sehe, wie eine Schwimmerin im Alter von 41-Jahren über 50 Meter eine Silbermedaille gewinnt, kommt mir das auch sehr kurios vor, aber man muss differenzieren. Für deutsche Athleten ist das Kontrollsystem so engmaschig. Es gibt die internationalen und die Kontrollen der Nationalen Anti-Doping-Agentur – da bleibt kein Platz für Spielchen. Als Gewichtheber lohnt sich das Risiko auch nicht. Für eine Goldmedaille bekommt man 15.000 Euro von der Sporthilfe, dazu vielleicht noch mal 5000 Euro Sponsorenprämien. Für das Geld geht man nicht das Risiko ein, als Doper ähnlich wie ein Schwerstverbrecher in der Öffentlichkeit zu stehen.