Das schönste Bild hat das deutsche Rudern in Shunyi am Sonntag um kurz nach 18 Uhr abgegeben. Der Regen vom Nachmittag hatte sich verzogen und den letzten Smog aus dem Pekinger Himmel gewaschen, als Kathrin Boron neben einer provisorischen Olympiahütte stand und mit ihren Kolleginnen aus dem Doppelvierer die Bronzemedaille in eine Kamera hielt. Sie hatte sich schon damit abgefunden, dass es bei ihrer fünften Olympiateilnahme zum ersten Mal nicht für Gold gereicht hat und sprach über das Ende der Karriere und die Einschulung der Tochter in der kommenden Woche. Die rote Abendsonne tauchte alles in ein freundliches, wärmendes Licht. Ein trügerisches Bild.

Der deutsche Ruderverband hat bei den Olympischen Spielen ein Debakel erlebt. Zum ersten Mal seit 1956 hat der Verband keine Goldmedaille gewonnen. Mit der gestrigen Bronzemedaille im Doppelvierer der Frauen und der Silbermedaille im Zweiter der Frauen vom Samstag kommt der Verband auf insgesamt zwei Medaillen.

Mindestens drei hatte sich der Verband erhofft. "Das ist eine bittere Niederlage für die deutsche Rudernation und den Verband", sagt der Sportdirektor Michael Müller, "wir zählen nicht mehr zu den drei führenden Rudernationen der Welt". Zwar hatte sein Team mit einem mysteriösen Virus zu kämpfen, der einen Trainer und sechs Ruderer mit hohem Fieber und Gliederschmerzen in Quarantäne zwang. Der leichte Doppelvierer der Männer musste abgemeldet, der Vierer der Männer dreimal umbesetzt werden. Trotzdem ließ Müller die Erkrankungen nicht als Entschuldigung gelten. "Das darf den Blick nicht verstellen, dass wir ein grundsätzliches Problem haben."

Die Hoffnungen ruhen jetzt auf dem neuen Chef-Bundestrainer, eine Position die erstmals besetzt wird. Er soll über den übrigen vier Bundestrainern stehen. Sein Job wird es unter anderem sein, die Techniken der einzelnen Ruderer, die bislang mit ihren Heimtrainern arbeiteten, zu vereinheitlichen.

"Das ist ein richtiger Schritt, darauf setzen viele ihre Hoffnungen", sagt Berit Carow, "aber man muss mal abwarten, wer das wird." Die Studentin hatte am Sonntag mit Marie-Louise Dräger im leichten Doppelzweier nur um vier Hundertstelsekunden die Bronzemedaille verpasst.

Auch Kathrin Boron begrüßt das Vorhaben mit dem neuen Cheftrainer. "Wenn es eine Person ist, die von allen Bundestrainern akzeptiert wird, kann das eine gute Variante sein", sagt die viermalige Olympiasiegerin. Für sie war Peking ein ihrem unbefriedigendes Karriere-Ende. "Wir wollten Gold holen, deshalb ist erstmal die Enttäuschung da", sagt die 38-Jährige. Mit einer guten Länge Abstand hatte das chinesische Boot im Doppelvierer die erste Rudergoldmedaille bei diesen Spielen für die Gastgeber gewonnen.