Pervez Musharraf musste sich dem innenpolitischen Druck beugen und Pakistans Staatsführung am Montag aufgeben. Die Opposition hatte knapp neun Jahre gebraucht, um dafür stark genug zu werden. Zum Schluss aber triumphierte Nawaz Sharif - der Mann, den Musharraf am 12. Oktober 1999 aus der Macht geputscht hatte.

Es ist offen, wie lange der pakistanische Präsident durchgehalten hätte, wenn es nicht die Anschläge vom 11. September 2001 gegeben hätte. Zu diesem Zeitpunkt war der noch im kolonialen Indien geborene Offizier Musharraf knapp zwei Jahre an der Macht, und es war erstmals offensichtlich, dass er die großen Versprechen kaum einhalten würde, mit denen er seinen Putsch gegen die ungefestigte Demokratie gerechtfertig hatte. Wirtschaftlich hatte sich Pakistan nicht erholt, der Kampf gegen die Korruption kam nicht voran, und der Kaschmir-Konflikt mit Indien drohte jederzeit in einen vierten Krieg zu eskalieren.

Aber dann kam Bush und wählte sich den Diplomatensohn zu einem seiner wichtigsten Verbündeten im Antiterror-Kampf gegen die radikal-islamische al-Qaida, die im Nachbarland Afghanistan Unterschlupf gesucht hatte. Dafür sah der Republikaner großzügig über Wahlfälschungen und Manipulationen des Militär-Machthabers hinweg. Die USA blendeten auch aus, dass der langjährige Oberbefehlshaber direkt für die enge Verwicklung des pakistanischen Geheimdienstes in den Aufstieg der afghanischen Taliban mitverantwortlich war und sie mit Waffen sowie Wirtschaftshilfe versorgt hatte. In den achtziger Jahren bildete Musharraf selbst Söldner aus, die von verschiedenen islamistischen Gruppen im Nachbarland angeworben worden waren, um gegen die sowjetische Besatzungsmacht zu kämpfen.

Nach den Attentaten vom 11. September reagierte Musharraf jedoch schnell und stellte sich, gegen die Stimmung im eigenen Land, ohne jede Einschränkung auf die Seite der USA. Für die Großmacht galt der liberale Muslim als Garant dafür, dass Pakistan und damit die Kontrolle über seine Atomwaffen nicht in die Hände von Islamisten fallen. Zu Hause wurde Musharraf aber als Marionette Washingtons verspottet und von weiten Teilen der gebildeten Schichten als Militärdiktator verachtet.

In diesem Spannungsverhältnis gelang es Musharraf weder, die Wünsche der westlichen Partner zu erfüllen und die Grenze zu Afghanistan tatsächlich für muslimische Extremisten zu schließen, noch fand der heute 65-Jährige einen Weg, seinen Herrschaftsanspruch breiter abzustützen. Seine populären Gegenspieler Sharif und Benazir Bhutto kamen zurück aus dem Exil, in das er sie unter allerlei juristischen Scharaden geschickt hatte, und organisierten die Opposition.

Seit Frühjahr 2007 war die Welle nicht mehr aufzuhalten, auch nicht durch den verzweifelten Versuch Musharrafs, die Lage im November durch die Verhängung des Ausnahmezustands in den Griff zu bekommen. Das Attentat auf Bhutto im Dezember trieb das Land an den Rand eines Bürgerkriegs und spülte die Opposition im Februar 2008 an die Regierung. Mit Unterstützung der USA klammerte sich Musharraf hartnäckig an sein Amt. Aber seine Gegner waren inzwischen mächtig genug, ihn notfalls einfach abzusetzen. (Simon Cameron-Moore/Reuters)