Obwohl Musharrafs Demission gestern nach einem quälenden Jahr des schleichenden Machtverlusts niemanden mehr überraschen konnte, stehen nicht nur die USA nach dem Abgang des einstigen Verbündeten im Kampf gegen den Terror vor einer neuen Zeit der Ungewissheit. Auch Indien und Afghanistan, die beiden Nachbarländer, die unmittelbar von der Politik in Pakistan betroffen sind, blicken mit Besorgnis nach Islamabad.

"Nach Musharraf die Sintflut?", so formulierte gestern die renommierten indische Zeitung The Hindu die bange Frage. Und der Sicherheitsberater der Regierung in Neu-Delhi, M.K. Narayanan, argwöhnte, dass Musharrafs Abgang ein Machtvakuum hinterlassen werde, dass den islamistischen Gruppen an der Grenze zu Afghanistan und zum indischen Teil Kaschmirs zugute kommen werde. Dabei zeugen die indischen Sorgen von einer erstaunlichen Distanz zum politischen Betrieb Pakistans, wie sie wohl nur unter verfeindeten Nachbarn möglich ist.

Der Abtritt des ehemaligen Militärdiktators ist nicht erst letzte Woche nonchalant von den USA abgesegnet worden. Man mische sich nicht in die inneren Angelegenheiten Pakistans ein, ließ Washington verlauten – als ob es dies nicht ständig tun würde. In Wirklichkeit wurde er über ein Jahr lang von den USA sorgfältig orchestriert.

Zwar tat Washington sich lange schwer mit der Erkenntnis, dass Musharraf vielleicht doch nicht der engste Verbündete im Kampf gegen den Terrorismus sein könnte – sondern gleichzeitig auch ein enger Verbündeter eben jener Terroristen, deren Bekämpfung er vorgab. Doch bereits der "Deal" mit der damaligen Oppositionsführerin Benazir Bhutto im vergangenen Jahr, wonach sie nach Pakistan zurückkehrt und sich unter Musharraf zur Premierministerin wählen lässt, war mit den USA abgestimmt.

Die Ermordung Bhuttos machte den Partnern einen Strich durch die Rechnung. Doch niemand kann behaupten, dass Bhuttos Witwer und Nachfolger als PPP-Chef, Asif Ali Zardari, keinen engen Kontakt nach Washington pflegt. Pakistans zweiter starker Mann, der ehemalige Premierminister Nawaz Sharif, vermied es vor wenigen Monaten, die USA zu kritisieren. Allerdings betonte Sharif mit Blick auf Musharraf: "Zum ersten Mal in unserer Geschichte erfahren wir eine Politik, die unseren Selbstrespekt beschädigt."