Wie die Organisation am Freitag in der georgischen Hauptstadt Tiflis mitteilte, seien sogenannte Cluster-Bomben bei Luftangriffen über zwei georgischen Ortschaften abgeworfen worden. "Cluster-Bomben sind wahllose Killer, die von den meisten Staaten geächtet wurden", sagte Marc Garlasco, Militärexperte von Human Rights Watch. Russland müsse sich an der Beseitigung der beim Einsatz solcher Streumunition zurückbleibenden Blindgänger beteiligen, forderte er.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation wurden die Streubomben vom russischen Typ RBK-250 am vergangenen Dienstag bei Luftangriffen auf die Stadt Gori und die Ortschaft Ruisi nahe der Grenze zu der von Georgien abtrünnigen Region Südossetien eingesetzt. Mindestens elf Menschen seien getötet und Dutzende verletzt worden. Bei dem Angriff auf Gori sei auch ein niederländischer Journalist ums Leben gekommen, ein israelischer Kollege sei schwer verletzt worden. Human Rights Watch beruft sich auf eigene Untersuchungen der Angriffe und Befragungen von Überlebenden sowie Ärzten und Militärs. Von einem Luftangriff gebe es auch Videoaufzeichnungen, hieß es.

Russland hingegen dementierte den Einsatz der Bomben: "Wir haben die sogenannten Cluster-Bomben nicht eingesetzt, weil das nicht nötig war", sagte der stellvertretende Generalstabschef Anatoli Nogowizyn am Freitag nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau. Nach Angaben eines Sprechers des russischen Verteidigungsministeriums habe sich Human Rights Watch unter anderem auf Berichte georgischer Militärs berufen, die aber keine unparteiischen Experten seien. "Das ist eine weitere Desinformation, die Georgien in Umlauf gesetzt hat", sagte der Militärsprecher.

Streubomben gelten als besonders heimtückische Waffenart. Sie enthalten viele kleinere Sprengkörper, die sich bei der Detonation über eine weite Fläche verteilen. Ein nicht geringer Anteil dieser Mini-Bomben bleibt als gefährlicher Blindgänger liegen. Im Mai hatten in Dublin mehr als 100 Staaten eine "Konvention über Streumunition" vereinbart, die die weltweite Vernichtung dieser Waffen innerhalb von acht Jahren vorsieht.

Auch Georgien soll nach Angaben von Human Rights Watch Streubomben in seinen Waffendepots haben. Die Organisation forderte das Land auf, sich der Konvention gegen diese Waffen anzuschließen.

Aus dem Kriegsgebiet sind mittlerweile etwa 2.000 Flüchtlinge in der georgischen Hauptstadt Tiflis angekommen. Die UN-Flüchtlingsorganisation (UNHCR) brachte sie in einem ehemaligen Krankenhaus unter.  Der Großteil der Flüchtlinge stammen aus der Region Südossetien. Die UN-Organisation stellten Hilfe für 40.000 betroffene Menschen bereit.