Die Vereinigten Staaten plustern sich mit starken Worten auf, haben aber außer einem Besuch ihrer Außenministerin in Tiflis und der wohlfeilen Drohung, das Verhältnis Amerikas zu Russland könne auf Dauer gefährdet sein, nichts zu bieten.

Frankreichs Präsident Sarkozy tut so, als habe er im Namen der EU einen Friedensplan durchgesetzt; dabei hat Moskau ihm lediglich gestattet, ein russisches Diktat europäisch zu verbrämen. Und wenn die polnische Regierung unter dem Schock von Tiflis nun den USA die Stationierung von Anti-Raketen-Waffen gewährt, dient dies vielleicht der Selbstberuhigung, wird aber zu keiner Aufweichung Moskauer Machtpolitik an der Peripherie Russlands beitragen.

Als-ob-Strategen sind auch all jene, die behaupten, Berlin und Paris hätten mit ihrer Weigerung, Vorverhandlungen über Georgiens Nato-Mitgliedschaft zuzustimmen, das russische Vorgehen im Kaukasus ermutigt. Russland hält dort ohnehin alle Hebel in der Hand - weshalb der Plan georgischer Mitgliedschaft gegen Moskaus Willen von vornherein unausgegoren war. Hätte die Nato im Frühjahr, wie die Bush-Regierung es wollte, einen Aktionsplan für den Beitritt Georgiens beschlossen, hätte dies russischen Druck auf Georgien nicht vermindert, sondern erst recht gesteigert, ohne dem Westen realistische Abwehroptionen zu eröffnen.

Statt sich selbst und ihrem Publikum weiter etwas vorzumachen, sollten die Regierungen in Europa nüchtern die Lehren der Kaukasus-Krise ziehen. Dann kann daraus vielleicht so etwas wie eine halbwegs brauchbare Strategie für das Verhältnis zu Russland werden.

Erstens: Alle im Westen, auch die einst ins Sowjetimperium gepressten Staaten Osteuropas, müssen mit Russland auskommen. Das erfordert Respekt für die Interessen Russlands, die klare Formulierung der eigenen und Offenheit für gemeinsame Interessen. Dabei sind die eigenen Interessen an enger Zusammenarbeit mit Russland – bei so entscheidenden Fragen wie der Energiesicherheit, dem Umweltschutz, der Verhinderung nuklearer Verbreitung, der Sicherung Afghanistans – zumeist stärker als die der Abgrenzung und Abwehr.