Washington und Paris stören sich vor allem an den sogenannten Pufferzonen, die die russischen Truppen um die beiden abtrünnigen Provinzen Südossetien und Abchasien gezogen haben. Kontrollpunkte oder Pufferzonen seien in dem Sechs-Punkte-Plan zur Waffenruhe nicht vorgesehen, erklärten US-Regierungsvertreter. "Sie haben sich nicht vollständig aus den Gegenden zurückgezogen, die als nicht umstritten gelten", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Gordon Johndroe. Darin sei sich Präsident George W. Bush auch mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy einig.

Moskau dagegen erklärte den Rückzug für abgeschlossen. Der Abzug sei um 17.50 Uhr MESZ abgeschlossen worden, sagte Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow. Die Soldaten, die nach Ausbruch des Krieges nach Georgien gekommen seien, seien abgezogen worden. Damit seien alle Bedingungen des mit Frankreichs Hilfe vereinbarten Friedensplans erfüllt. Gleichwohl seien in den Pufferzonen noch mehrere hundert russische Soldaten als Schutztruppe stationiert, fügte Serdjukow hinzu.

Die Bundesregierung in Berlin billigt Russland dagegen zu, in einer Pufferzone auf georgischem Kerngebiet vorübergehend eine begrenzte Zahl von etwa 500 Friedenssoldaten zu belassen. In Punkt fünf des Sechs-Punkte-Plans sei aber von vorübergehenden Sicherheitsmaßnahmen die Rede, die dann von einem internationalen Mechanismus abgelöst werden sollten, sagte Regierungssprecher Thomas Steg. So erwarte auch die Bundesregierung von Russland den vollständigen Abzug.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hält darüber hinaus eine Lösung des Kaukasus-Konflikts nur mit Einbindung Russlands für möglich. "Eine politische Lösung ist ohne Russland nicht vorstellbar", sagte Steg. Die Idee einer Nachbarschaftskonferenz für Georgien, die Merkel bereits bei ihrem Besuch in Tiflis am vergangenen Sonntag vorgestellt hatte, habe nichts mit einer politischen Lösung zu tun, machte er deutlich. Der Spiegel hatte zuvor berichtet, Merkel habe eine Konferenz ohne Russland angeregt.

Nach den Vorstellungen der Kanzlerin solle es bei einer solchen Konferenz im Rahmen der EU-Nachbarschaftspolitik allein um die Frage der wirtschaftlichen Stabilisierung und der ökonomischen Unterstützung für Georgien und die Region gehen. In diesen Kreis könnten auch weitere Anrainerstaaten einbezogen werden. Merkel habe den Vorschlag Sarkozy unterbreitet. Die EU werde in den kommenden Wochen gemeinsam darüber entscheiden.

Derweil erneuerte der russische Generalstab seine Kritik an der Präsenz von Nato-Kriegsschiffen im Schwarzen Meer. "Die Nato verstärkt unter dem Vorwand der humanitären Hilfe ihre dortige militärische Präsenz ", sagte der Vize-Generalstabschef Anatoli Nogowizyn. "Das dient nicht dazu, die Lage in der Region zu stabilisieren", fügte er hinzu.