ZEIT ONLINE: Herr Al-Wazir. Wie wahrscheinlich ist, dass es in Hessen noch in diesem Jahr eine rot-grüne Minderheitsregierung gibt, die von den Linken toleriert wird?

Tarek Al-Wazir: Wahrscheinlichkeitsrechnungen habe ich mir in der hessischen Landespolitik abgewöhnt.

ZEIT ONLINE: Was wären denn dafür die Voraussetzungen?

Al-Wazir: Die SPD muss ihre innere Geschlossenheit zurückgewinnen, die Linke muss ihre Verlässlichkeit beweisen. Und dann müssen auch noch die Inhalte stimmen, damit Grüne einem solchen Unternehmen zustimmen können.

ZEIT ONLINE: Besonders zuversichtlich klingt das ja nicht. Haben Sie kein besonders großes Zutrauen in die SPD und die Linke?

Al-Wazir: Wir haben eine sehr schwierige Mehrheitssituation im Landtag und beim ersten Anlauf von Andrea Ypsilanti so unsere Erfahrungen gemacht. Es gibt angesichts der Mehrheitsverhältnisse keine Option, von der wir begeistert wären, auch von einer rot-grünen Minderheitsregierung nicht. Aber es ist der Weg, bei dem wir die größtmögliche Chance sehen, grüne Inhalte umzusetzen. Das Ganze muss natürlich verantwortbar sein. Hier liegt der Schlüssel bei SPD und Linkspartei.

ZEIT ONLINE: Woran machen Sie das fest?

Al-Wazir: Der Linken muss klar sein, dass sie Verantwortung für die Gestaltung der Landespolitik übernimmt und nicht nur für das Kritisieren von anderen. Es kann nicht nur darum gehen, eine SPD-Ministerpräsidentin zu wählen.

ZEIT ONLINE: Sie drängen also auf Absprachen mit den Linken?

Al-Wazir: Wir werden Eckpunkte einer Zusammenarbeit vereinbaren müssen. Die Grünen gehen nur in eine Regierung, wenn wir die Sicherheit haben, dass der Haushalt und wesentliche Gesetzgebungsverfahren im Landtag eine Mehrheit bekommen.

ZEIT ONLINE: Sollten Sie mit den Linken dann nicht gleich einen Tolerierungsvertrag schließen?

Al-Wazir: In welcher Form das stattfindet, lässt sich jetzt noch nicht festlegen. Wir warten erst einmal den Parteitag der Linken ab. Dort schauen wir sehr genau hin, ob auch der Linkspartei-Basis bewusst ist, was es bedeutet, politische Verantwortung zu übernehmen.

ZEIT ONLINE: Es wurde in Hessen zuletzt viel über Macht geredet, aber wenig über Inhalte. Woran könnte Rot-Grün inhaltlich noch scheitern?

Al-Wazir: Ich würde die Frage gerne anders stellen, wofür lohnt es sich, als Grüne in die Regierung zu gehen?