ZEIT ONLINE: Aber Hessen war vor 25 Jahren schon einmal ein Wegbereiter für Rot-Grün im Bund. Was bedeutet dies für die Bundestagswahl in einem Jahr?

Al-Wazir: Für die Grünen bedeutet dies, dass sie sehr viel Wert auf die Formulierung ihres Wahlprogramms legen müssen. Es muss dem Wähler völlig klar werden, was die Grünen wollen. Aber eine Signalwirkung hätte Hessen genauso wenig, wie es Hamburg hat.

ZEIT ONLINE: Wird Hessen nicht noch einmal zum Trendsetter?

Al-Wazir: Vielleicht wird Hessen insofern zum Trendsetter, dass hier zum ersten Mal auch auf Landesebene deutlich geworden ist, was ein Fünfparteiensystem bedeutet. In welche Schwierigkeiten Parteien bei der Regierungsbildung kommen können, wenn sie vor der Wahl die Zusammenarbeit mit fast allen anderen Parteien ausschließen. Daraus haben alle Wahlkämpfer gelernt.

ZEIT ONLINE: Zukünftig wird also erst nach den Wahlen über Machtfragen, Regierungsbündnisse und Farbenspiele geredet?

Al-Wazir: Das ist die logische Konsequenz der hessischen Verhältnisse.

ZEIT ONLINE: Aber den Wähler befriedigt das nicht, der will doch vorher wissen, welche Regierung er bekommt, wenn er zum Beispiel die Grünen wählt.

Al-Wazir: Die neue Unübersichtlichkeit ist natürlich ein Problem. Die Wählerinnen und Wähler werden sich intensiver mit der Frage beschäftigen müssen, was Parteien inhaltlich wollen, statt diese aus einem Gefühl heraus einem Lager zuzuordnen.

Die Fragen stellte Christoph Seils