ZEIT ONLINE: Vor knapp 13 Monaten geriet die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB in den Sog der US-Kreditkrise. Nun hat ihre Mutter, die staatliche Förderbank KfW, sie an einen Finanzinvestor verkauft. Gut so?

Martin Faust: Die Trennung ist schon aus ordnungspolitischer Perspektive sinnvoll. Als staatliche Förderbank sollte sich die KfW grundsätzlich nicht allzu stark im normalen Bankgeschäft engagieren.

ZEIT ONLINE: Aber im vorliegenden Fall waren doch die Schwierigkeiten der IKB durch die Finanzkrise ausschlaggebend.

Faust: Die KfW hat zwar schon viel Geld aufgewendet, um ihre Tochter zu stützen. Aber ich weiß nicht, ob der Verkauf nötig war, um ein weiteres Abrutschen der IKB in die Krise zu verhindern. Dennoch ist er sinnvoll.

ZEIT ONLINE: Der Käufer Lone Star macht sein Geld vor allem mit dem Aufkauf und der Verwertung notleidender Kredite. Er sagt, er wolle die IKB wieder als Mittelstandsbank am Markt etablieren. Ist die Bank bei ihm in guten Händen?

Faust: Da muss man abwarten. Die IKB braucht eine langfristige Perspektive, die ein Finanzinvestor ja in der Regel nicht hat. Es wäre keine gute Lösung, die Bank gesundzuschrumpfen, wie einige Beobachter es erwarten. Die Übernahme hat nur Sinn, wenn das Mittelstandsgeschäft fortgeführt wird wie angekündigt. Ihre Kunden im Mittelstand sind die Stärke der IKB. Die von der Hypothekenkrise gebeutelten Großbanken hingegen reduzieren ihre Aktivität in diesem Bereich gerade. Darin liegt die Chance der IKB. Sie hat in der Krise zwar Kunden verloren und an Image eingebüßt. Aber jetzt kann sie sich wieder festigen.

Grundsätzlich hätte ich mir allerdings gewünscht, dass ein deutsches Institut den Zuschlag erhält. Aber die Deutschen waren am Ende gar nicht mehr im Rennen, weil sie den geforderten Preis nicht zahlen konnten.

ZEIT ONLINE: Beobachter sagen, Lone Star habe mit der IKB ein Schnäppchen gemacht. Wie bewerten Sie den Kaufpreis?

Faust: Er ist günstig. Die IKB ist eine gute Bank, wenn auch mit Imageproblemen. Die Risiken sind aus dem Geschäft raus.