Jeder kennt Vamos A La Playa von der Gruppe Righeira. Es war der Sommerhit 1983, ein kleines Lied über radioaktiv verseuchte Strände und stinkende Fische. Die Musikrichtung wurde abschätzig Spaghetti Dance genannt, das klang nach Pizzeria und Urlaub an der Adria.

Zu Ruhm kam das Genre, nachdem sich der deutsche Musikproduzent Bernhard Mikulski den Namen Italo Disco ausgedacht hatte. Die Betreiber der Zappelscheunen und Tanzschulen von Schleswig bis Garmisch freuten sich: Dazu ließ sich prima Foxtrott tanzen, DJs mixten die größten Hits mit deutschen Schlagern. Die Texte waren banal, die Musik ein kunterbuntes Durcheinander aus schmalzigen Melodien und synthetischen Tanzrhythmen. Ein harmloser, aber durchaus nachhaltiger Spaß.

Die Produzenten Claudio Simonetti, Mauro Malavasi und Giancarlo Meo veränderten mit ihren Stücken den Klang moderner Tanzmusik. In den angesagten New Yorker Clubs wie The Loft und der Paradise Garage lief Italo Disco rauf und runter. Junge DJs aus Chicago und Detroit stürzten sich auf die italienischen Produktionen und ließen sich von ihrer Einfachheit inspirieren. Ohne Italo Disco hätte es House und Techno wohl nie gegeben.

25 Jahre nach Vamos A La Playa sind die Achtziger längst wieder auferstanden. Erstpressungen von Italo-Disco-Platten erzielen unter Sammlern Höchstpreise, Klassiker werden wieder veröffentlicht. Hervorragende Sampler wie Disco Italia: Essential Disco Classics 1977-1985 und die Elaste-Reihe des Münchner Labels Compost können Neugierigen beim Einstieg helfen. Die Elaste-Serie versammelt sphärische Disco-Stücke. Sie zeigen, zu welchen futuristischen Experimenten die europäischen Produzenten Mitte der siebziger Jahre fähig waren. Dieses Genre nennt sich Space Disco, da wippt das Raumschiff in galaktischem Soul. Sein Einfluss auf die Musiker der Italo Disco ist unüberhörbar.

Als der Unternehmer Giancarlo Tirott 1975 seinen Nachtclub Baia Degli Angeli eröffnete, sollte es der beste Italiens werden. In New York hatte Tirotti die gewaltigen Sound-Anlagen bewundert, nun wollte er dasselbe in Rimini versuchen. Die Inneneinrichtung ließ er von Valentino gestalten, zwei amerikanische DJs legten Tanzmusik aus ihrer Heimat auf, denn Italien hatte dergleichen noch nicht zu bieten. Bald darauf eröffneten zahlreiche glamouröse Clubs im Land, darunter das Easy Going in Rom, das Astrolab in Parma und das Mailänder Charlie Max. Wie in New York und Chicago war es auch hier vor allem die schwule Subkultur – Modedesigner, Popstars und Schauspieler – die ausgelassen feierte.

In Rom tanzte der Musiker Claudio Simonetti, der mit seiner Rockband Goblin durch experimentelle Filmmusik für den Horrorregisseur Dario Argento bekannt geworden war. Mit Giancarlo Meo nahm er Musik exklusiv für den Club Easy Going auf. Ihr Album Easy Going von 1978 ist eine der ersten Platten mit italienischer Discomusik, die gleichnamige Single wurde ein Hit. Besonders der legendäre Munich Sound galt unter italienischen Produzenten als wichtiger Einfluss: Giorgio Moroders futuristische Discoklänge waren ebenso zu hören, wie die poppigen Arrangements von Frank Farians Boney M.