Die armen Briten. Man kann gar nicht anders, als Mitleid mit ihnen zu empfinden. Welche Ängste sie derzeit empfinden dürften angesichts der Vorstellung, in vier Jahren die Olympiade veranstalten zu müssen. Organisateure und Politiker suchen verzweifelt nach einer überzeugenden Antwort auf das Spektakel, das China geboten hat: Das war sehr teuer, perfekt inszeniert, gnadenlos eingedrillt, ein wahrer Rausch an kontrollierter Pyromanie samt special effects , die in der Mischung aus Folklore, Kitsch und Pathos davon zeugten, dass China längst begriffen hat, wonach die globale Populärkultur verlangt.

Eine Demokratie wie Großbritannien aber kann es gar nicht wagen, seinem Volk die finanziellen Opfer und das Maß an Disziplin, ja Zwang abzuverlangen, die notwendig waren, um der Welt ein solches Schauspiel zu bieten. Ein Schauspiel, in dem ein atheistischer Staat die Idee der Olympiade als Ersatzreligion zelebrierte. Sehr zum Wohlgefallen übrigens des Olympischen Komitees, dessen Präsident sich ausdrücklich den Gedanken verbat, man könne bei den nächsten Spielen hinter den Standard, der in Peking gesetzt wurde, wieder zurückfallen.

Was tun? Peking überbieten ist ausgeschlossen, schon aus finanziellen Gründen. Die Briten wollen knapp die Hälfte der Summe ausgeben, die sich China die Olympiade kosten ließ. Leicht reden haben jene Spötter, die vorschlagen, man möge doch einfach wieder auf das Rezept zurückgreifen, mit dem sich London in einer achtminütigen Einlage während der Abschlussfeier in Peking vorstellte: Da hatte man mit Jimmy Page, Led Zeppelin, eine Rocklegende, mit Leona Lewis, Siegerin der TV-Show X Factor , ein Stimmwunder mit rasanten, weltweiten Plattenverkäufen und mit David (Goldenballs) Beckham einen Fußballer aufgeboten, der von einem roten Doppeldeckerbus einen Ball in die Menge zu treten hatte. Darum garniert hatte man Tanzgruppen, die das bunte, multiethnisch geprägte Leben in der britischen Metropole darstellen sollten.

David Beckham auf der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in Peking © Getty

M an kann die Show als eine ziemlich akkurate Darstellung dessen nennen, was das moderne Großbritannien ausmacht - ein alternder Rocker, ein Reality-TV-Superstar, das Relikt eines Transportsystems, das stets kurz vor dem Kollaps steht, und ein Fußballer, der seine besten Jahre längst schon hinter sich wähnt, es gleichwohl geschafft hat, sich als globale Ikone zu etablieren. In Peking lieferte Beckham erneut den Beweis für seinen Status als " internationale celebrity " - durch das Stadion lief ein Aufschrei, als die Menge seiner nur gewahr wurde, bevor er noch den Ball kickte.