Wir alle sind Doper. Wir trinken Kaffee, um bei der Arbeit wach und konzentriert zu bleiben. Einige rauchen – mit unterschiedlichen Ausreden. Manche lassen körperliche Defizite wie Knochenbrüche oder eine schiefe Nase oder zu kleine Brüste operativ beheben. Darf man angesichts dieser künstlichen Eingriffe in die Natur noch auf die Leistungssportler schimpfen, wenn sie ein wenig Tuning am eigenen Körper betreiben? Ja, das darf man.

Auch im Leben des Normalsterblichen spielt es eine Rolle, was er zu sich nimmt, um auf der Arbeit konzentriert zu bleiben. Der Konsum von Koffein ist ebenso erlaubt wie die Pausenkippe vor der Firmentür oder die Kopfschmerztablette zwischendurch. An Gesetze muss er sich trotzdem halten. Wenn er statt der erlaubten Tasse Kaffee etwa eine Linie Kokain schnupft, macht er sich strafbar. Für jeden Bürger unserer Gesellschaft gelten Steuerrecht, Straßenverkehrsordnung, BGB und weitere Regeln. Dazu kommen die moralischen Vorgaben, die wir durch unsere Erziehung mitbekommen haben.

Für Sportler gelten zusätzlich die Gesetze des Sports, das Regelwerk jeder Disziplin. Ein Tor ist ein Tor, wenn der Ball die Linie überquert hat, gedopt ist, wer verbotene Mittel eingenommen hat, usw. Wer die Regeln bricht, muss damit rechnen, aus dem Verkehr gezogen zu werden.

Man könnte argumentieren, dass die Dopinglisten willkürlich erstellt werden. Längst nicht alle verbotenen Substanzen sind gesundheitsschädlich. Doch auch im täglichen Leben gibt es willkürliche Regeln. Als Fußgänger muss man an einer roten Ampel stehen bleiben, auch wenn kein Auto kommt. Dass Viele trotzdem über die Straße gehen, heißt nicht, dass es nicht verboten wäre.

Wenn aber eine Regel ständig unterlaufen wird, verliert sie an Bedeutung. Das passiert gerade im olympischen Sport. Athleten und Trainer ignorieren die Regeln ihrer Disziplin, weil sie mit großen Leistungen an die noch größeren Geldtöpfe wollen, weil ihr Ego sie eine Niederlage nicht akzeptieren lässt. Sie gehen konsequent über rote Ampeln.