Die Mannschaft. Auch so ein deutscher Mythos. Dass es in den Einzelwettkämpfen mit deutschen Superstars nicht so einfach ist, haben wir in den letzten 20 Jahren gelernt. Weil es kein zentralistisch gelenktes Sportsystem mehr gibt, dass Talente früh entdeckt und gnadenlos fördert. Weil die Kinder der deutschen Wohlstandsgesellschaft sich nicht mehr so quälen wollen, wie es für den Spitzensport notwendig ist. Weil der Sport für viele nur eine Möglichkeit neben anderen ist, sich zu vergnügen. Weil er als Instrument des sozialen Aufstiegs in unserer Gesellschaft keine entscheidende Rolle mehr spielt. Weil man vom Ausüben der wenigsten olympischen Sportarten leben kann. Aber die Mannschaft. Darauf war immer Verlass. "Der Star ist die Mannschaft", dieser Satz gehört zum Selbstverständnis des deutschen Sports wie die Ente zu Peking. Und deshalb sollte es die Mannschaften auch wieder richten bei diesen Spielen.

Aber daraus ist bislang nicht so recht was geworden. Okay, die Hockeyherren haben es ins Finale geschafft, sie sind aber auch die Einzigen. Die Basket-, Volley-, Wasserballer: alle früh raus ohne großen Applaus. Gut, das war auch nicht anders erwartet worden; ein Dirk Nowitzki allein reicht nicht zum Überleben in der Todesgruppe. Und für die anderen war schon das Ticket nach Peking ein Erfolg. Aber der Ruder-Achter zum Beispiel, auch das ja eine deutsche Mannschaft mit einer Tradition so groß, dass sie bei wichtigen Rennen mitunter wie Blei im Boot liegt – diesmal untergegangen in den Vorläufen. Oder die Handballer, der amtierende Weltmeister, der noch ein Sommermärchen schreiben sollte und nicht übers Viertelfinale hinauskam. Oder die Hockeyfrauen, die Olympiasieger von Athen – im Halbfinale von China in Grund und Boden gelaufen. Und selbst die Fußballerinnen, seit Jahren, Jahrzehnten Erfolgsgaranten, fanden diesmal ihren Meister im Halbfinale: Brasilien.

Natürlich kann man gegen die mal verlieren, nach all den knappen Matches gegen Brasilien zuvor. Aber musste es gleich ein 1:4 sein? Da wackelt der Mannschaftsmythos; in jedem Fall blieb nur das kleine Finale gegen Japan, bei dem es – anders als bei Weltmeisterschaften – aber tatsächlich um etwas ging, die Bronzemedaille.

Offenbar war es schwer, als Favorit in dieses Turnier gestartet, die Maschine auch für den Trostpreis noch einmal auf volle Touren zu fahren. In dieser Partie sollte endlich mal das Spiel nach vorne klappen; daran hatte es das ganze Turnier über gehapert, an der Qualität von Bewegung und Passspiel, sagte Bundestrainerin Sylvia Neid. Die erste Halbzeit war dennoch ein herzlich trostloser Kick mit klaren Vorteilen und fünf Chancen für die Japanerinnen. Dabei herrschte eigentlich deutsches Wetter in Peking – Regen und kaum 20 Grad.

Zumindest das Publikum ließ sich die Stimmung nicht vermiesen und sang sich, uniform verpackt in gelbe Einwegregenmäntel, herzlich warm. Jede halbe Chance wurde befeuert, als liefe Usain Bolt die Außenbahn entlang. Mitte der zweiten Halbzeit gab es sogar zaghafte La-Ola-Versuche.