Offenbar gehört für Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees das Anschauen von Pippi Langstrumpf-Filmen zum Pflichtprogramm. Wie heißt es dort im Titelsong so schön: "Ich mach mir die Welt / widdewidde wie sie mir gefällt." Und wie man das macht, zeigt am vorletzten Tag der Spiele eindrucksvoll Doktor Thomas Bach, Olympiasieger, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds und Vizepräsident des IOC.

"Brillante Spiele" seien das gewesen, sagt er, Spiele, aus denen die "olympische Bewegung gestärkt hervorgehen wird". Fast eine Viertelstunde dauert seine Eloge auf Beijing 2008 in jenem Eisschrank, der offiziell der Pressekonferenzraum im Deutschen Haus ist. Entspannt, heiter, hoch funktional - wie chinesische Perlen kullern die Adjektive aus seinem Mund. Egal, wohin er blickt, er sieht nur Gutes: ein "außergewöhnlich gutes Herzstück", das olympische Dorf. Sportstätten von architektonischer Weltklasse. Eine "wunderschöne Stimmung" auf dem Olympiagelände. Gute Arbeitsbedingungen auch für Journalisten. Ein Umweltprogramm für 12 Milliarden Dollar, das vom UN-Umweltbeauftragten beaufsichtigt und gelobt wurde. Ein engmaschiges Netz von Dopingkontrollen, in dem schon vor den Spielen 30 Athleten hängen blieben und während der Wettkämpfe weitere sechs sowie ein paar Pferde.

Ja, so kann man das sehen. Alle Besucher der Spiele, die Athleten, Zuschauer, Journalisten, haben die Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit der Freiwilligen schätzen gelernt. Wir werden uns schwertun, zu Hause überhaupt noch eine Tür aufmachen zu können –selbst das wurde uns hier noch nachts um drei von netten Menschen abgenommen. Aber ist da nicht noch was anderes außer Neugier und Freundlichkeit? Haben diese glänzenden Spiele nicht eine dunkle Rückseite?

Im Norden des Landes wird bereits das Wasser knapp, weil die ganzen neuen Grünanlagen in Peking mit ihren 40 Millionen Blumen gewässert werden und die Kanustrecke voll sein muss. Das hat eine Umweltschutzorganisation berichtet, aber wer diesen Berichten nachgehen will, wird bei der Arbeit behindert. Der Bericht lässt sich im Internet nicht herunterladen, und Kollegen, die sich nach Norden aufmachten, haben Bekanntschaft mit den Sicherheitskräften gemacht.