Der deutsche Pferdesport ist nach der positiven Probe bei Christian Ahlmanns Pferd Cöster vom schlimmsten Dopingfall seit den Olympischen Spielen in Athen erschüttert worden. "Der Schatten fällt auch auf alle anderen im Team", sagte Verbandsgeneralsekretär Hanfried Haring am Donnerstag in Hongkong und befürchtet einen großen Imageschaden: "Ich schwanke zwischen Unverständnis und Wut." Zweifel an der Schuld hat Haring trotz des fehlenden Ergebnisses der B-Probe nicht: "Kann doch keiner sagen, dass das vom Himmel fällt."

Auch drei andere Reiter sind erwischt worden: Denis Lynch (Irland) mit Lantinus, Tony Andre Hansen (Norwegen) mit Camiro und Bernardo Alves (Brasilien) mit Chupa Chup. Die vier Reiter wurden suspendiert und durften nicht mehr am Einzelfinale am Donnerstagabend teilnehmen. Die norwegische Equipe könnte ihre Bronzemedaille an die Schweiz verlieren, sollte das Ergebnis bei Hansens Camiro sich in der B-Probe bestätigen.

"Ich bin fassungslos", sagte der deutsche Delegationsleiter Reinhard Wendt zum Fall Ahlmann. "Das ist ein Desaster." Der Betroffene selbst verließ nach einer Anhörung am Morgen fluchtartig Hongkong. Der Springreiter ist aus der deutschen Olympia-Mannschaft ausgeschlossen und vom Turniersport suspendiert worden. Ahlmann hatte nach Angaben des Verbandes bei der Anhörung gesagt, dass er sich die positive Probe nicht erklären könne und dass er mehr Zeit für die Recherche benötige.

Vier Jahre nachdem die deutschen Springreiter ihr Gold aus Athen wegen einer verbotenen Medikation von Ludger Beerbaums Pferd Goldfever zurückgeben mussten, schlug die Nachricht über Ahlmanns positiven Dopingtest wie eine Bombe ein. Bei Cöster - wie bei den anderen drei Pferden - wurde die verbotene Substanz Capsaicin festgestellt. Diese ist nach Angaben des deutschen Mannschafts-Tierarztes Björn Nolting ein Bestandteil der Chilischote und kann zur Durchblutungsförderung eingesetzt werden.

Möglich ist aber auch der Einsatz der Creme an den Vorderbeinen oberhalb des Hufes, um die Haut zu reizen, was das Anschlagen an die Stangen schmerzhafter macht. Die Substanz wäre auch deshalb geeignet, weil sie laut Nolting "als flüchtig" gilt. Capsaicin fällt grundsätzlich in die Klasse der verbotenen Medikation, im Falle des Missbrauchs allerdings unter Doping. Nolting versicherte, dass er von keiner Behandlung des Pferdes Cöster gewusst habe.

Alle deutschen Reiter haben unterschrieben, dass die Tiere acht Wochen vor sowie während der Spiele nicht ohne Absprache mit dem Veterinär behandelt werden dürfen. "Wir haben zigfach darüber gesprochen", sagte Tierarzt Nolting. Die Reiter seien "mehrfach aufgeklärt" worden. "Wir stehen trotzdem heute da wie vor vier Jahren", klagte er.