Auf einem spannungsgeladenen Treffen warfen die Angehörigen der 153 Opfer Vertretern der Fluggesellschaft mangelnde Sorgfalt bei der Wartung der Maschinen vor. "Viele von uns erhielten vor dem Absturz von unseren Verwandten SMS aus dem Flugzeug, dass mit der Maschine etwas nicht stimmte", sagte einer der Hinterbliebenen.

Einer der vielen Trauernden ist Javier Nuñez, der in Madrid vier Verwandte verlor. Er verließ das Treffen mit der Vizeregierungschefin María Fernández de la Vega aufgebracht und schimpfte: "Wir wollen hier keine Politiker mehr sehen. Wir wollen endlich wissen, was wirklich passiert ist."

Die Verzweiflung bei ihm und unter den übrigen Angehörigen erreichte ein solches Ausmaß, dass Polizisten und Psychologen einschreiten mussten, um eine Prügelei zu verhindern. Die Verantwortlichen von Spanair wurden als "Lügner" und "Halsabschneider" beschimpft. Die Angehörige eines Opfers sagte: "Am Ende wird man die Schuld dem Piloten geben. Der ist tot, und die Sache wird im Sande verlaufen."

Die misstrauischen Angehörigen konnten sich nach Angaben eines Anwalts allerdings auch nicht auf die Gründung einer Organisation zur Vertretung ihrer Interessen verständigen. Ihnen stehen nach dem Gesetz wenigstens 127.000 Euro Entschädigung für jedes Opfer zu. Spanair zahlt ihnen nach Presseberichten einen Vorschuss von jeweils 25.000 Euro.

Inzwischen wurden die ersten Opfer in ihren Heimatorten in verschiedenen Regionen Spaniens beigesetzt. Tausende von Menschen erwiesen den Toten die letzte Ehre. Ärger gab es um die offizielle Trauerfeier, die am 1. September in der Madrider Almudena-Kathedrale stattfinden wird. Protestanten und Muslime beklagten, dass die Feier als katholischer Gottesdienst abgehalten werden soll.