Trotz Fortschritten im Kampf gegen die globale Armut schätzt die Weltbank die Zahl der Armen rund um den Erdball auf 1,4 Milliarden und damit ein Viertel der Weltbevölkerung. Allerdings sei durch neue Daten über die Preisentwicklung die Armutsgrenze angehoben worden, heißt es in einer am Dienstagabend veröffentlichten Studie der Entwicklungshilfeorganisation. Danach gilt als arm, wer im Durchschnitt von weniger als 1,25 Dollar am Tag (rund 85 Cent) leben muss. Bisher war es ein Dollar. "Die Entwicklungsländer sind ärmer, als wir bislang angenommen haben", heißt es in der Untersuchung.

Dennoch komme der Kampf gegen die weltweite Armut voran. Die Zahl der Menschen, die von weniger als 1,25 Dollar am Tag leben müssen, habe sich zwischen 1981 und 2005 um 500 Millionen verringert. Setze sich diese Entwicklung fort, kann eines der wichtigsten Millenniumsziele erreicht werden. Danach soll die Armutsrate des Jahres 1990 bis 2015 halbiert werden.

Die Fortschritte seien weltweit jedoch sehr ungleich verteilt. Die größten Erfolge habe es in Asien gegeben. Dort hätten 1981 noch 80 Prozent der Bevölkerung mit weniger als 1,25 Dollar am Tag auskommen müssen. 2005 seien es nur noch 18 Prozent gewesen. Alleine in China hätten 600 Millionen Menschen den Sprung über die Armutsschwelle geschafft. Dagegen lebe in Afrika südlich der Sahara weiterhin etwa die Hälfte der Bevölkerung in extremer Armut.

Für die Untersuchungen werteten Experten der Weltbank 657 Studien aus 116 armen Staaten aus, in denen rund 96 Prozent der Bevölkerung aus Entwicklungsländern leben.

Gleichzeitig macht der Kampf gegen den Hunger in der Welt nach Einschätzung europäischer Entwicklungshilfe- Organisationen keine spürbaren Fortschritte. "850 Millionen Menschen wissen nicht, was sie am nächsten Tag essen sollen", sagte der Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe, Hans-Joachim Preuß, in Brüssel. Europa müsse den Bauern in armen Ländern mehr helfen: "Die Lebensmittelkrise ist das Ergebnis einer langen Vernachlässigung der Landwirtschaft und der ländlichen Entwicklung", so Preuß.

Die sogenannte Alliance2015 von sechs unabhängigen Organisationen aus Deutschland, Dänemark, Irland, Italien, Tschechien und den Niederlanden legte am Mittwoch einen Bericht zum europäischen Beitrag zu den sogenannten Millenniumszielen der Entwicklungspolitik vor. Beim ersten Ziel, der Bekämpfung des Hungers, sei die Welt am wenigsten vorangekommen, sagte Preuß.

"Der Mangel an Verantwortlichkeit ist ein zentrales Problem", ergänzte Preuß. Sowohl in der EU als auch in den Empfängerländern sollten die Parlamente mehr Aufsichtsrechte bekommen. Außerdem müssten Organisationen der Zivilgesellschaft stärker in die Kontrolle der Mittelverwendung eingebunden werden, fordert der Bericht.