ZEIT ONLINE: Herr Professor Huster, Sie erforschen die Reichen im Lande - aber wie kommt man an die eigentlich ran?

Ernst-Ulrich Huster: Es ist relativ schwierig, an genaue statistische Daten heranzukommen. Überdies lieben die ganz Reichen die Diskretion ganz besonders. Die Neureichen protzen meistens noch, die sieht man mit ihren großen Autos auf der Autobahn, aber die wirklich Superreichen leben relativ dezent. Einmal, weil sie Angst haben, Opfer krimineller Anschläge zu werden, und zum Zweiten, weil sie mit Bettelbriefen überschüttet werden. Wer hingegen arm ist, hat im Zweifelsfall ein Interesse daran offenzulegen, was los ist, damit man ihm hilft. Die oben möchten eher in Ruhe gelassen werden.

ZEIT ONLINE:Wie zieht man überhaupt die Grenze zwischen einfach nur reich und superreich?

Huster: Das ist sehr schwierig. Ich habe einmal geschrieben, dass mit dem doppelten durchschnittlichen Einkommen der Reichtum beginnt. Da kommt allerdings schon mancher Professorenhaushalt drüber. Und man weiß auch, dass 60 Prozent derer, die nach dieser Definition reich sind, nahe an der 200-Prozent-Grenze liegen, im Einkommensbereich von 6000 bis 7000 Euro im Monat. Dann gibt es eine zweite Grenze, die ich damals aufgezeigt habe: Sie bewegt sich bei etwa 300.000 Euro im Jahr.

ZEIT ONLINE:Das ist im Zeitalter der Superreichen noch vergleichsweise wenig.

Huster: Natürlich gibt es Einkommen und Vermögen, die noch weit höher liegen. Das ist dann der Jetset, da geht es eher um den voyeuristischen Blick auf Gloria von Thurn und Taxis. Aber es gab und gibt auch hier dezentes Understatement, wie etwa früher bei dem alten Bahlsen mit seinen eher abgeschabten Anzügen.

ZEIT ONLINE:Es gibt immer mehr Menschen, die sehr reich sind. Die Konzentration der Einkommen und der Vermögen wächst. Stimmt das eigentlich so pauschal?