Der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin, Thomas Raabe, sagte, zwei zivile Fahrzeuge hätten sich am Donnerstagabend einem Checkpoint der afghanischen Polizei und deutscher Soldaten der Afghanistan-Schutztruppe ISAF südöstlich von Kundus genähert. Trotz eindeutiger Zeichen der Sicherheitskräfte seien die Fahrer der beiden Wagen weitergefahren. Daraufhin hätten die Sicherheitskräfte das Feuer eröffnet.
Es werde untersucht, ob deutsche Soldaten Schüsse abgegeben haben, sagte Raabe. Die afghanische Polizei habe mit Unterstützung des deutschen ISAF-Kontingents die Ermittlungen aufgenommen. Es werde auch geprüft, ob in den Fahrzeugen verdächtiges Material wie Waffen gewesen sei.
Raabe sagte, nach dem Anschlag auf die Bundeswehr am Mittwoch, bei dem ein 29 Jahre alter Hauptfeldwebel getötet und drei seiner Kameraden verletzt worden waren, sei die Lage angespannt. Es gebe Warnungen vor Sprengstoffanschlägen auch mit Hilfe von Autos. Bei einem Luftangriff der US-geführten Koalition in Afghanistan waren kürzlich bis zu 90 Zivilisten getötet worden. Dies hatte Empörung und wütende Proteste unter Afghanen ausgelöst.
Der erste Hinweis auf den Zwischenfall am Donnerstagabend an dem ISAF-Checkpoint war von einem Internet-Blog gekommen. Auf der homepage www.soldatenglueck.de war der Vorfall geschildert worden.
Derzeit sind fast 53.000 ISAF-Soldaten aus 40 Staaten im Einsatz. Die meisten Soldaten werden von den USA gestellt (23.550), gefolgt von Großbritannien (8530) und Deutschland (3340). Die wichtigsten Nicht-Nato-Truppen kommen aus Australien (1100). Die ISAF-Soldaten dürfen auch militärische Gewalt anwenden, um ihren Auftrag durchzusetzen.