Die Provinz Anbar im irakischen Westen war die Hölle für die Marines. Zweimal sind sie in Falludschah einmarschiert, erst beim zweiten Mal haben sie halbwegs die Kontrolle errungen. Dito in der Provinzhauptstadt Ramadi. Fast genau vor zwei Jahren zitierte der US-Fernsehsender MSNBC einen ungenannten Offizier des Marineinfanterie-Nachrichtendienstes mit der bitteren Prognose: Die US-Streitkräfte hätten keine Chance, die Revolte in Anbar zu unterdrücken; überdies sei keine Provinzregierung in Sicht, die eine Überlebenschance hätte.

Am Montag übergaben die Streitkräfte die Regierungsgewalt an die irakische Polizei und Armee. Selbst die Bush-kritische New York Times schreibt: "Dies ist eine der bedeutsamsten Wenden seit Kriegsbeginn vor fünfeinhalb Jahren." Seit der pessimistischen Analyse des Nachrichtendienstes der Marines sind die Angriffe gegen Iraker und Amerikaner um 90 Prozent gefallen. "Nicht einmal in unseren wildesten Träumen", zitiert die Times den Nationalen Sicherheitsberater des Iraks, Mobaffak Rubaie, "hätten wir uns das vorstellen können. Immerhin war Anbar die Wiege des Aufstandes".

Die Erklärung für das Auslaufen der Revolte ist immer wieder die Gleiche: "Al-Qaida in Mesopotamien" hat überall den Terror in einen blinden, wahllosen Krieg auch gegen die Einheimischen verwandelt. Politischer Mord wurde zum Programm, dazu die gnadenlose Islamisierung der eher säkularen irakischen Sunniten. Die Stammesführer wechselten die Seiten und baten die Amerikaner um Hilfe. Die hatten inzwischen aus ihrer törichten Politik gelernt, die Sunniten auszugrenzen, ihnen die Armee- und Regierungsjobs sowie die Pensionen zu nehmen. Die Amerikaner mauserten sich vom Verfolger zum Beschützer. Das war der Beginn der "Sunniten-Erweckung", die sich bald über alle sunnitischen Siedlungsgebiete erstreckte. Das war auch der Anfang vom Ende der Qaida im Irak.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Schiiten-Bastion Basra im Süden, wo sich die Schia-Milizen jahrelang gegenseitig und das Volk terrorisierten. Die zweitgrößte Stadt des Iraks haben die Briten schon im Dezember übergeben - gegen den heftigen Protest der Regierung und der Amerikaner. Doch im März marschierte die Armee des Regierungschefs Maliki ein - unter dem Gespött all jener zumal im Ausland, die sich nichts anderes vorstellen konnten als einen Sieg der Aufständischen.