Dreieinhalb Jahre nach dem Skandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer herrscht im deutschen Profi-Fußball erneut eine Diskussion um Wett- und Manipulationsvorwürfe. Der Buchautor und Journalist Declan Hill hatte am Wochenende in einer Vorabmeldung des Spiegels den Verdacht geäußert, das Bundesliga-Spiel Hannover 96 gegen den 1. FC Kaiserslautern vom 26. November 2005 (5:1) könnte manipuliert worden sein.

Bei der Präsentation seines Buches Sichere Siege relativierte Hill in Berlin nun seine von verschiedenen Medien publizierten Behauptungen. "Ich habe nie gesagt, Bundesliga- oder WM-Spiele seien manipuliert worden", sagte der Kanadier. "Ich bin in diversen Medien falsch zitiert worden."

Hill betonte, er habe in seinem Buch lediglich über ein Gespräch mit einem Wettpaten berichtet. Dieser habe von einem Anruf gesprochen, dass Hannover gegen Kaiserslautern mit mindestens zwei Toren Unterschied gewinnen werde. "Ich habe nur 20.000 Dollar gesetzt. Nicht viel", wird der Wettpate zitiert. "Er ließ in keiner Weise durchblicken, wie dieses Ergebnis zustande kommen würde, ob es ein Netzwerk aus Spielern war, und wenn ja, aus welcher Mannschaft, oder ob es ein Netzwerk aus Schiedsrichtern gab", schreibt Hill.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat wegen der Manipulationsvorwürfe nach Rücksprache mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) unterdessen Kontakt mit der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main aufgenommen.

Der ehemalige Profi des Karlsruher SC Sean Dundee bestätigte, dass er für Spielmanipulationen angeworben werden sollte. Im Sommer 2005 sei Dundee von einem Mann angesprochen worden, der sich als Fan ausgab: "Der hat nur gesagt, ob ich mir vorstellen kann für Geld - 10-, 15- oder 20.000 Euro - einen Elfmeter zu verschießen. Ich habe gesagt, so etwas mache ich nicht". Der 35 Jahre alte Profi bestätigte gegenüber der ARD auch, dass zwei weitere KSC-Spieler angesprochen wurden.

Hill äußert in seinem Buch zudem Verdächtigungen bezüglich des Achtelfinalsieges (3:0) von Brasilien gegen Ghana während der WM 2006. Insgesamt soll ein asiatischer Wettpate für vier Spiele der Weltmeisterschaft in Deutschland die Endstände vorausgesagt haben. "Für drei waren die Ergebnisse absolut richtig gewesen. Im vierten betrug der Unterschied nur ein Tor", schreibt Hill. Bei den weiteren mutmaßlich manipulierten Partien soll es sich laut Aussagen von Hills Gesprächspartnern um die Spiele Ghana gegen Italien (0:2), England gegen Ecuador (1:0) und Ukraine gegen Italien (0:3) handeln.