Gerüchte um einen "G-Browser" gab es in den vergangenen Jahren immer wieder. Doch ebenso häufig wurden die Erwartungen enttäuscht. Google brachte ein Produkt nach dem anderen auf den Markt – ein Browser war nie darunter.

Warum sollte sich der Konzern auch die Mühe machen? Statt ein aufwendiges eigenes Software-Projekt zu starten, setzte der einstige Suchmaschinenkonzern lieber auf Drittsoftware. Die Zusammenarbeit mit der Mozilla Foundation lief prima – deren Open-Source-Browser Firefox nahm dem Platzhirsch Internet Explorer stetig Marktanteile ab. Voreingestellte Suchmaschine: Google. Wann immer ein Firefox-Nutzer über die eingebaute Suchleiste auf Google zugreift, klingelt bei Google die Kasse. Längst ist der IT-Konzern Weltmarktführer in der Online-Werbung – er vermarktet auf eigenen und auf fremden Seiten Produkthinweise und Werbebanner.

Dass Microsoft nach jahrelangem Stillstand den Browsermarkt wiederentdeckt und dem Internet Explorer ein überfälliges Update verpasst, hätte Google dabei nicht sonderlich beunruhigen müssen. Über die Programme wie "Google Desktop" wird die Suchmaschine Nummer eins auch bei Nutzern anderer Browser wieder zentral platziert. Zudem ist es heute fast egal, wohin es einen Surfer verschlägt – die Kalifornier vermarkten so viele Seiten, dass der Kunde eh nach wenigen Mausklicks wieder zu Google gelangt.

Warum hat Google es nun also doch getan - und mit Chrome seinen eigenen Browser entworfen? Oberflächlich betrachtet hat Chrome ja nicht einmal viel Neues zu bieten. Eine Startseite mit den am meisten aufgerufenen Webseiten findet man zum Beispiel auch beim Konkurrenten Opera. Selbst der Anonymisierungsmodus überrascht nicht – hat Microsoft doch vor wenigen Tagen eine ähnliche Entwicklung vorgestellt. Und dass die Browser-Tabs bei Chrome über der Adressleiste liegen, kann man wohl als Extravaganz der Google-Designer verstehen.

Das Unternehmen äußert sich dennoch geheimnisvoll: "Wir glauben, wir können den Nutzern zusätzliche Vorteile bringen und gleichzeitig die Innovationen nach vorne treiben", heißt es im offiziellen Google-Weblog. Was uns das sagt? Nichts.