Azim Premji (63) ist ein merkwürdiger Milliardär: Ihm gehören 70 Prozent am größten Softwareunternehmens Indiens, Wipro ... er ist  schätzungsweise 17 Milliarden Dollar schwer und wird zu den fünf reichsten Menschen seines Landes gezählt ... aber trotzdem lebt er ziemlich sparsam. Er fahre bloß einen bescheidenen Toyota Corolla, berichten die indischen Medien, er fliege in der Economy Class und verzichtet auf Luxushotels. Geld gibt er aber für seine soziale Stiftung aus, die seinen Namen trägt, und die im ganzen Lande Grundschulen fördert. "Er ist eine absolute Ausnahme in Indien", sagt eine Kennerin der indischen High Society-Szene. "Andere Milliardäre benehmen sich hier zu Lande wie Kinder im Süßwarenladen. Die wissen gar nicht mehr, was sie als nächstes kaufen sollen!"

ZEIT ONLINE: Herr Premji, wie reich sind Sie gerade?

Azim Premji: Ich habe das völlig aus den Augen verloren (lacht). Wenn ich den ganzen Tag den Aktienpreis meines Unternehmens im Blick hätte, könnte ich nicht mehr schlafen.

ZEIT ONLINE:  Viele Ihrer Landsleute, und überhaupt viele Menschen aus Schwellenländern sind heute extrem wohlhabend. Was bedeutet das für diese Länder?

Premji: Ein wichtiger Effekt ist, dass der Umfang dieser Vermögen, die ja von Unternehmen und Einzelpersonen erwirtschaftet wurden, den Ehrgeiz gesteigert hat. Und die Bereitschaft, ein unternehmerisches Risiko zu nehmen. Daher glaube ich, dass wir noch mehr indische Unternehmen sehen werden, die noch größere unternehmerische Schritte tun werden.

ZEIT ONLINE:  Das heißt, es ist ein positiver Effekt. Superreichtum als strahlendes Vorbild.

Premji: Das glaube ich, ja. Der Großteil dieser Vermögen ist ja tatsächlich in der Industrie erwirtschaftet worden, und durch den Erfolg von Unternehmensaktien an den indischen und internationalen Aktienmärkten.

ZEIT ONLINE:  Wenn ein Unternehmer so reich geworden ist wie Sie - welche soziale Verantwortung ist damit für ihn persönlich verbunden?

Premji: Ich glaube, das Ausmaß der Wohltätigkeitsbemühungen ist nicht im Verhältnis zum Wachstum der Vermögen mit angestiegen, zumindest nicht in ganz Indien. Nur einige wenige, ausgewählte Familien betätigen sich da.

"Eine Schande, wenn die neuen Reichen nicht spenden!"

ZEIT ONLINE:  Woran liegt das?

Premji: Der Grund ist nicht, dass die Leute keine wohltätigen Zwecke verfolgen wollen. Sie sind aber nicht in der Lage, ein Managementteam zusammenzustellen, das solche Stiftungen betreibt. Das wird aber bald kommen. Indien hatte schon in der Vergangenheit eine wohltätige Tradition, über viele Generationen. Ich bin mir sicher, dass diese neue Gruppe extrem wohlhabender Personen sich dieser Tradition anschließt. Es wäre eine Schande, wenn das nicht passierte.

ZEIT ONLINE: Sie selber haben das schon getan.

Premji: Wir unterhalten vermutlich die größte öffentliche Stiftung im Land, die sich für die Grundschulbildung engagiert. Wir beschäftigen etwa 250 Vollzeitkräfte und 1200 Quasi-Vollzeitkräfte bei Nichtregierungsorganisationen, und unser Engagement hat zweieinhalb Millionen Kinder in 14 indischen Bundesstaaten erreicht.