Wenn in Neu-Delhi Limonade, in Peking Mineralwasser und in München Bier aufgetischt wird, hat vermutlich Volker Kronseder seine Hände im Spiel gehabt. Der Unternehmer aus Neutraubling produziert zwar keine Getränke, doch seine Firma Krones ist der weltweit führende Hersteller von Abfüll- und Verpackungsmaschinen. Krones baut komplexe, stahlbewehrte Anlagen, die stündlich Abertausende von PET- oder Glasflaschen sowie Dosen reinigen, inspizieren, abfüllen, verschließen, etikettieren und einpacken. Die Kundenliste ist lang. Coca-Cola findet sich darauf, genauso wie Pepsi, Anheuser-Busch oder Nestlé.

Dennoch behauptet der Mittfünfziger: "Wir fühlen uns wie ein Mittelständler." Ein wenig kokett ist das schon. Aus dem fünfköpfigen Handwerksbetrieb, den Kronseders Vater 1951 gründete, ist längst ein Milliarden-Konzern geworden. Die Krones AG ist heute eine weltweit tätige Aktiengesellschaft mit rund 10.000 Mitarbeitern und einem globalen Marktanteil von rund 25 Prozent.

Kronseders Diktum vom gefühlten Mittelstand begreift man besser, wenn man auf dem Werksgelände in der Oberpfalz zuerst die alte und dann die neue Rezeption der Firma ansteuert. In der alten, Baujahr Mitte der Achtzigerjahre, fühlt man sich wie in einer mittelgroßen Brauerei: Blau gepolsterte Sitzgelegenheiten, Holzdekor, alles ein bisschen düster. Der neue Empfang, im März 2008 eingeweiht, gleicht hingegen einem VIP-Flughafenschalter. Es ist ein lichter, kathedralenartiger Bau mit Designermöbeln und einem übergroßen Flachbildschirm, auf dem in Zeitlupe Flüssigkeiten tropfen und fließen.

Gewachsener Familienbetrieb und wachsender Konzern, solider Mittelstand und ambitionierter Global Player: Krones ist beides. Seit 1984 ist das Unternehmen börsennotiert. Die Familie Kronseder hält 53 Prozent der Stimmrechtsanteile. 2007 war das achte Wachstumsjahr in Folge. Die Angestellten erwirtschafteten einen Umsatz von 2,15 Milliarden Euro, der Gewinn nach Steuern betrug 101,8 Millionen Euro. Vor zehn Jahren war der Umsatz nicht einmal halb so groß, der Gewinn lag bei 17 Millionen Euro.

Krones wächst mit der Globalisierung. Das Unternehmen liefert 85 Prozent seiner Maschinen in jeden Winkel des Auslands. Ein Viertel des Absatzes geht in die USA. Die Dollarschwäche des Sommers habe dem Maschinenbauer bislang nicht geschadet, sagt der Chef. "In Nordamerika können wir fast ausschließlich in Euro fakturieren." Außerdem schließe man Kurssicherungsgeschäfte ab.

Gebaut werden die Krones-Maschinen ausschließlich an fünf Standorten in Deutschland. Versuche, in den USA und Brasilien zu fertigen, sind vor Jahren gescheitert. "Wir fertigen keine Turnschuhe, sondern Spezialmaschinen. Die können Sie nicht überall bauen", sagt Kronseder. Jedes weitere Land erhöhe die Komplexität, mache die Logistik schwieriger. Dass seine beiden größten Konkurrenten, die Klöckner-Tochter KHS und Tetra Sidel, teilweise im Ausland fertigen, beeindruckt ihn nicht. Für die Bedürfnisse von Krones seien Deutschland und vor allem Neutraubling optimal: Das Ausbildungsniveau der Mitarbeiter ist hoch, die Anbindung an die insgesamt 5.000 Zulieferer bestens.

Für den Verkauf der Krones-Maschinen wird das Ausland künftig jedoch wichtiger. Aussichtsreiche Märkte sind vor allem Brasilien, Indien und China, denn hier wächst die Bevölkerung - und damit wachsen die Ansprüche. "Getränke in Flaschen sind hygienisch, und sie sind auch ein Statussymbol", sagt Kronseder. Die neuen Ober- und Mittelschichten sehnen sich nach Mineralwässern und Säften, nach Bier und Wein, in ansehnlichen Flaschen und Kästen, die Sauberkeit und Wohlstand assoziieren. Krones liefert das Know-how, um diesen Durst zu stillen. Die sich abkühlende Konjunktur fürchtet der Konzern gegenwärtig nicht. Die Auftragslage sei gut, heißt es.