Die Fahrt vom Louis Armstrong International Airport, dem nach dem berühmtesten Einwohner und schwarzen Jazz-Trompeter benannten Flughafen von New Orleans, in die Innenstadt weckt Erinnerungen an afrikanische Metropolen. Mit der Hautfarbe der wenigen Menschen, die auf den Straßen zu sehen sind, hat das nur am Rande zu tun. Weite Teile der Außenbezirke sind verwahrlost, und nur der Staub, der statt Schlamm die Straßen bedeckt, versichert: Die Flut ist schon lange vorbei.

Ihre Schäden aber sind noch da: schimmelige, halb eingedrückte Holzhäuser, Autowracks, verrammelte Fenster, verlassene Geschäfte. Die wenigen Läden, die geöffnet haben, sind meist Pfandleiher und Payday Loan Shops , in denen man sich bis zum Zahltag am Ende des Monats zu horrenden Zinssätzen einen Vorschuss auf seinen Lohn leihen kann.

Am 25. August 2005 traf der Hurrikan Katrina auf die Küste von Louisiana. Der Sturm richtete die schwersten Schäden an, die je durch einen Wirbelsturm in den USA hervorgerufen wurden. Mehr als 1800 Menschen starben, der Sachschaden wird auf umgerechnet 125 Milliarden Euro geschätzt.

Infolge des Hurrikans brachen am 29. August die Deiche des Industrial Canals in New Orleans, der den großen Lake Pontchartrain im Norden der Stadt mit dem Mississippi verbindet. Das eindringende Wasser überflutete weite Teile des Stadtgebietes. Drei von vier Bewohnern wurden evakuiert oder flüchteten.

Drei Jahre nach der Flut leben knapp 300.000 Menschen wieder in New Orleans. Mehr als 150.000 aber wollten oder konnten nicht dorthin zurückkehren. Der Bevölkerungsverlust ist dabei unter den sozial benachteiligten Gruppen besonders hoch. Im Frühjahr 2008 lag die Zahl der Haushalte in New Orleans zwar bei etwa 70 Prozent des Vor-Katrina-Niveaus. Doch die Zahl der Empfänger von Medicaid, der staatlichen Krankenversicherung für Bedürftige, ist um 46 Prozent gesunken, die der Rentner mit Anspruch auf Sozialhilfe um 50 Prozent und die der staatlich alimentierten Arbeitsunfähigen und Behinderten gar um 59 Prozent.

Die Anmeldungen an öffentlichen Schulen – in den USA ein verlässlicher Indikator für Schichtzugehörigkeit und Hautfarbe gleichermaßen – sank seit Katrina um mehr als die Hälfte. Und obwohl die Bevölkerung stark geschrumpft ist, leben doppelt so viele Menschen auf der Straße wie vor der Flut: Etwa 12.000 Obdachlose zählt man derzeit in New Orleans. Das ist jeder 25. Bewohner der Stadt.