In einem gemeinsamen Zeitungsbeitrag schrieben Peer Steinbrück (SPD) und Roland Koch (CDU), alle finanz-, sozial- und umweltpolitischen Überlegungen sprächen gegen eine Wiedereinführung der Pendlerpauschale. Ein Eingreifen des Staates bringe den unter den hohen Benzinpreisen leidenden Menschen wenig, aber den Ölkonzernen und den Erdöl produzierenden Ländern höhere Gewinne. "Der Verbraucher stünde am Ende mit leeren Händen da – und die Staatskasse wäre auch noch geplündert." Die Entfernungspauschale eigne sich auch nicht zum Symbol einer Gerechtigkeitsdebatte.

Die CSU hat die Wiedereinführung der Pendlerpauschale zu ihrem wichtigsten Wahlkampfthemen gemacht – obwohl sie sie selber Anfang 2007 die Abschaffung mitbeschlossen hatte. CSU-Chef Erwin Huber kritisierte daher das konzertierte Vorgehen von Steinbrück und Koch kurz vor seiner Landtagswahl scharf. Ihre Argumentation sei falsch. Die Lage habe sich seit dem Koalitionsbeschluss grundlegend verändert.

Huber bekräftigte, die CSU werde weiter "mit Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit" für die Wiedereinführung der Pauschale eintreten. "Sparmaßnahmen (...) muss man dann überprüfen, wenn sich die Bedingungen geändert haben", sagte er. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann warf Koch und Steinbrück vor, sie würden die Situation der Pendler völlig verkennen. Der Staat sei über die höhere Mehrwertsteuer Profiteur steigender Benzinpreise. Dieses Argument wird vom Bundesfinanzministerium und Ökonomen allerdings regelmäßig zurückgewiesen.

Der gemeinsame Appell von Koch und Steinbrück, die mehrfach gemeinsam Vorschläge für den Subventionsabbau und Reformen erarbeitet haben, dürfte auch in der hessischen SPD für Zündstoff sorgen. Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti will sich mit den Stimmen der Grünen und Linken anstelle von Koch zur Ministerpräsidentin wählen lassen. Steinbrück hat sich gegen ein solches Vorgehen ausgesprochen.

Der Appell der beiden Politiker richtet sich in sehr deutlicher Form auch an der Bundesverfassungsgericht. Das wird am 10. September mündlich über die steuerliche Absetzbarkeit der Fahrtkosten verhandeln. Steinbrück und Koch warnen die Karlsruher Richter  ungewöhnlich scharf: Sollte das Verfassungsgericht die Abschaffung der Pauschale für grundgesetzwidrig erklären, sei die Reformfähigkeit des Staates gefährdet. "Wenn die gegenwärtige Regelung (...) verfassungswidrig wäre, würden in Deutschland weitere Diskussionen über den Abbau von Steuersubventionen deutlich erschwert."