Mit Lafontaine an der Spitze holte die SPD im Saarland einst lange Zeit absolute Mehrheiten. Bei der Wahl im kommenden Jahr – voraussichtlich einen Monat vor der Bundestagswahl – droht ihr aber jetzt eine Schmach durch ihren einstigen Vorsitzenden: Sie könnte auf den dritten Platz hinter CDU und Linkspartei zurückfallen. Nach einer neuen Forsa-Umfrage für den Stern würden im Moment 24 Prozent der Saarländer die Linke und nur 23 Prozent die SPD wählen.

Auch die bislang mit absoluter Mehrheit regierende CDU unter Ministerpräsident Peter Müller muss allerdings nach der Umfrage mit herben Verlusten rechnen. Sie käme demnach derzeit nur auf 37 Prozent, rund 10 Prozent weniger als bei der letzten Landtagswahl 2004. Die FDP käme auf 7 Prozent der Stimmen, die Grünen müssten um den Wiedereinzug in den Landtag bangen. Auch für Schwarz-Gelb würde es demnach nicht reichen.

Noch deprimierender sieht es für den SPD-Spitzenkandidaten aus. Könnten die rund 800.000 wahlberechtigten Saarländer ihren Regierungschef direkt wählen, würden sich 36 Prozent für Müller entscheiden. 23 Prozent sprachen sich für Lafontaine aus, der jetzt als Spitzenkandidat für die Linkspartei antritt. Gerade einmal 14 Prozent würden SPD-Landeschef Heiko Maas ihre Stimme geben.

Bei der Koalitionsfrage favorisieren die Saarländer Rot-Rot. 21 Prozent wären für ein solches Bündnis von SPD und Linkspartei, selbst oder vielleicht gerade unter Führung ihres alten Landesvaters Lafontaine. Jeweils 18 Prozent wären für ein Bündnis aus CDU und FDP oder CDU und SPD. Nur 14 Prozent der Befragten sprachen sich für eine Fortsetzung der seit 1999 bestehenden Alleinregierung der Union aus.

Für die SPD wäre ein Ergebnis wie in der Umfrage fatal: Wenige Wochen vor der Bundestagswahl könnte sie sich im Westen nicht für ein rot-rotes Bündnis unter Führung der Linkspartei entscheiden – schon gar nicht unter ihrem früheren Chef Lafontaine. Denn alles andere würde ihre Absage an ein rot-rotes Bündnis im Bund vollends infrage stellen. Stattdessen müsste sie dann in eine Koalition mit der CDU gehen, was wiederum die Hoffnung konterkarieren würde, im Bund die Große Koalition aufgeben zu können.

Die Umfrage stellt allerdings keinen neuen Negativrekord für die SPD dar: Im März hatten sie nach einer Forsa-Umfrage an der Saar sogar nur noch 16 Prozent wählen wollen, die Linke dagegen 29 Prozent.