11. Juni
Sommer 2008 und ich bin wieder mal mit Fußball unterwegs. Es ist Europameisterschaft hier in Österreich und der Schweiz. Und, ehrlich gesagt, es macht viel Spaß. Wir haben die erste Begegnung gegen die Polen gewonnen, es war wirklich ein gutes Spiel. Jetzt beschäftigt mich das nächste gegen die Kroaten, das morgen stattfindet. Ich hoffe, dass wir uns frühzeitig qualifizieren für das Viertelfinale und dann in ein paar Wochen mit dem Titel nach Deutschland zurückkommen. Das ist das Ziel.

13. Juni
Es ist Freitag, der 13., und der Tag ist erst 15 Minuten alt. Ich bin gerade zurückgekommen vom Länderspiel gegen die Kroaten. Wir haben verloren, 1:2, das Spiel war sehr enttäuschend. Ich habe leider nicht gespielt, ich wollte unbedingt rein und ich bin enttäuscht, genauso wie die ganze Mannschaft auch. Wahrscheinlich werden wir mehr trainieren die nächsten Tage. Wir haben jetzt gegen die Österreicher ein entscheidendes Spiel, wir müssen mindestens einen Punkt holen. Die gute Stimmung ist erst mal verflogen, ebenso die Leichtigkeit, die wir bisher gespürt haben.

18. Juni
Ich bin kurz vor der Abreise mit der Mannschaft zum Viertelfinalspiel gegen Portugal. Die Anspannung ist ziemlich groß, obwohl wir unser Zwischenziel erreicht haben: das Viertelfinale. Aber trotzdem haben wir nicht so überzeugend gespielt, wie wir es uns alle erhofft hatten. Bei mir persönlich läuft es ganz gut. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, mehr zu spielen als noch bei der Weltmeisterschaft, und dieses Ziel habe ich bereits erreicht. Aber trotzdem will ich mehr, ich will mehr Einsätze bekommen. Gegen Portugal gibt es kein Unentschieden mehr, es muss eine Entscheidung her.

Mein Zeitgefühl ist hier fast schon verloren gegangen, jeder Tag sieht so aus wie der andere. 10.00 Uhr Wecken, Frühstück und dann Training und in der zweiten Tageshälfte vor allem Regeneration. Zur Regeneration spiele ich meistens Backgammon mit meinem Kumpel aus Berlin, Arne Friedrich. Er ist ganz gut und es ärgert mich immer wieder, wenn ich verliere. Aber ich übe, und heute war ein guter Tag, ich habe häufiger gewonnen als verloren. Gedanken an Urlaub habe ich auch immer mal wieder, obwohl ich eigentlich plane, bis zum 29. Juni, bis zum Finale hier in Ascona zu bleiben.

21. Juni
Samstag, 23.45 Uhr. Es sind schon wieder zwei Tage vergangen nach dem Viertelfinalsieg gegen Portugal und diese letzten beiden Tage waren wirklich ganz besonders. Ich habe das erste Mal in dem Turnier die Chance bekommen, von Beginn an zu spielen. Und ich wusste, dass es wahrscheinlich das wichtigste Spiel in meiner bisherigen Karriere ist - dementsprechend nervös war ich auch. Niemand konnte diesen Sieg so erwarten. Ich habe sehr viele Reaktionen bekommen, sehr viele Nachrichten, ob auf mein Handy oder per E-Mail. Ansonsten war es sehr ruhig in den letzten Tagen und auch morgen beginnt der Tag mit Erholung: Wir machen einen Helikopterrundflug - eine willkommene Abwechslung.

24. Juni
In fünf Minuten ist Abfahrt zum Flughafen, wir spielen morgen gegen die Türkei in Basel. Es ist wieder ein ganz großes Spiel und ich weiß noch nicht, ob ich zum Einsatz komme. Aber ich freue mich darauf, es könnten die schönsten Tage meines Lebens werden.

26. Juni
Es ist schon wieder ein Tag vergangen seit dem Sieg gestern gegen die Türken und irgendwie kann ich das noch nicht so richtig begreifen, dass wir jetzt ins Finale eingezogen sind bei so einem wichtigen Turnier. Aber das Kuriose ist, dass eigentlich keine Zeit bleibt, den Erfolg zu genießen, das Spiel gegen Spanien ist schon in wenigen Tagen. Jetzt sind wir also im Finale, auch wenn wir nicht immer überzeugend gespielt haben. Das Problem ist nur, dass die Journalisten immer noch kritische Fragen stellen. Für uns ist das ein wirklich großer Erfolg und nach diesem Sieg gestern waren die ersten Fragen gleich wieder, warum das so ein schlechtes Spiel von uns war. Neutralität hin oder her, aber warum müssen die Journalisten immer diese kritischen Fragen stellen, wenn in Deutschland die Leute ausflippen?