15. Juni
Ab Mitte Juli werde ich für ein halbes Jahr nach Sydney gehen, als Gastschüler. Ein halbes Jahr in einem Land, in dem ich vorher noch nie gewesen bin, von dem ich bis auf ein, zwei Dokus auf N24 und die Crocodile Dundee-Filme nichts weiß und in dem man Englisch spricht, eine Sprache, die ich bislang nur ab und zu in der Schule verwende. Dieses halbe Jahr soll die beste Zeit meines Lebens werden. Ich bin gespannt.

13. Juli
Meine letzten Tage in Berlin sind verregnet. Wenigstens ist diese grausame zehnte Klasse zu Ende: Früher, als ich in der 5. Klasse und das erste Jahr auf dem Gymnasium war, habe ich die Zehnt- und Elftklässler immer bewundert. Heute rempeln einen Elfjährige auf dem Schulhof an und sagen einem mehr oder weniger deutlich, dass man sich lieber nicht mit ihnen anlegen sollte. Und die Mädchen auf Partys werden immer jünger und deren Freunde immer älter.


22. Juli

Meinen letzten Abend in Berlin verbrachte ich mit meinen Eltern. Am nächsten Morgen fuhren wir zum Flughafen in Frankfurt. Die Flüge waren grauenhaft. In der Maschine, die uns nach Hongkong ruckelte, war das Essen so schlecht, dass ich den Flug die meiste Zeit kotzend verbrachte. Während der ersten Tage in meiner Gastfamilie war mir immer noch übel. Ich wohne eine Autostunde nördlich von Sydney in einem Vorort. Hinter dem Haus beginnt der Busch, weshalb öfter Taranteln in die Wohnung kommen. Die Leute in Australien sind tatsächlich wunderbar herzlich und entspannt. Hier wird man nicht vom Busfahrer angeschnauzt, wenn man das Geld nicht passend hat. In einem Land, in dem die Leute barfuß in den Supermarkt und mit Badehose in die Oper gehen, bedankt man sich für alles und wünscht jedem einen schönen Tag.

26. Juli
Die erste Woche auf meiner neuen Schule ist vorbei. Ich bin auf der Narrabeen Sports High School. Mit Sport hat die Schule trotz ihres Namens wenig zu tun: Da der Kurs für Sport schon voll war, musste ich mich im unbeliebten Fach "Legal Studies" einschreiben. Ich bin einer von 14 internationalen Schülern auf der Schule, die fast alle im 11. Jahrgang sind. In manchen Kursen gibt es sogar mehr internationale als einheimische Schüler. Man findet schnell Freunde, sowohl unter den Austauschschülern als auch unter den "aussies", wie sie sich selber nennen. Nach der Schule geht man sehr häufig in das Einkaufszentrum in der Nähe, um in einem der 57 Fast-Food-Restaurants zu essen oder ins Internet zu gehen.