20. Juni
V., eine Zürcher Freundin, zu Besuch in Hamburg. Wir fahren Taxi.

Taxifahrer: Was habt ihr denn für ’ne Sprache? Kommt ihr aus der Schwiitz?
V.: Ja.
Taxifahrer: Und von wo da?
V.: Aus Zürich.
Taxifahrer: Züri. Aha. War ich einmal. Ist scheiße. Da redet kein Mensch mit einem. Und wenn die mal was sagen, entschuldigen die sich danach gleich dafür.
V.: Die Hamburger sind aber auch nicht besonders offen.
Taxifahrer: Soll ich dir mal sagen, was der Unterschied ist: Die Züricher reden nicht, weil sie denken, sie würden stören. Aber die Hamburger reden nicht, weil sie nicht gestört werden wollen. Verstehste? Warum sollte ich mit jemandem meine Zeit verquatschen, auf den ich kein Bock habe?
V.: Ja.

22. Juni
Ein Ehepaar im Thalia Theater.
Ehefrau: Dass die Leute immer ihre Arme auf meine Lehne legen.
Ehemann: Aber welche ist denn deine Lehne? Links oder rechts?
Ehefrau: Keine Ahnung, aber irgendeine muss ja meine sein.

25. Juni
Kaffeetrinken mit Freundin.
Freundin: Es ist so viel. Es ist so… schwierig. So viel. Jeden Tag: Begegnungen, Menschen, man selbst. Jeden Tag. So viel, was man gut, was man schlecht machen kann. Jeden Tag. Und wenn man die Sachen schlecht macht: die Begegnungen, die Menschen. Dann werden sie nicht besser. So schwierig.

26. Juni
Kurz vor einem Auftritt kommt Z. vorbei.
Z: Laura, Hey. Hab dich kaum erkannt. Steht dir, die kurzen Haare. Also… sieht echt… also anders, mal was anderes. Ist echt gut. Die kurzen Haare. Macht dich irgendwie älter… Aber gut älter, weißt du, also… Sieht nett aus. Bist ja mutig, einfach alles abschneiden.
Laura: Ist ’ne Perücke.
Z: Ach so. Gott sei Dank.

2. Juli
Publikumsgespräch nach der Vorstellung.
Schüler: Habt ihr euch auf der Bühne echt geküsst?
Laura: Was meinst du mit echt?
Schüler: Weiß nicht…
Schülerin: Echt heißt mit Zunge.
Schüler: Nee, echt heißt… na ja, mit Gefühlen und so was.

7. Juli
St. Petersburg, Krisensitzung.
Regisseur: Dein Stück, Laura, kann morgen nicht gespielt werden. Das ganze Theaterareal wird abgeriegelt. Die Frau des Präsidenten erwartet dort einen hohen Gast.

8. Juli
Nachts in St. Petersburg.
Jegor: You German… For me you are strange… Because… When I was young, eleven or ten, I found, in the bedroom … in the bedroom of my mother and father, I found a pornfilm … and … and it was in German. And they, you know, they: "Ja, ja, jaaa" and "fick misch" and "du Swein"… And so… And I was so shocked, sooo shocked. And always, when I meet German people, I think: Don’t fool me, I know how you are, du Swein!

14. Juli
Am Nebentisch.
Oma: Aber du bist doch nun alt genug, du willst doch bestimmt auch mal ein Kind.
Enkelin: Ja, Oma, aber dafür brauch ich erst mal einen Mann.
Oma: Ach Quatsch, das kann man doch heutzutage auch alleine.

17. Juli
Kind: Ich hasse es, mit den Eltern ins Theater zu gehen. In der Pause reden die mit anderen Leuten, und wenn sie nicht mehr wissen, was sie mit den anderen Leuten reden sollen, gucken alle auf mich und grinsen. Weil ich ein Kind bin.